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WIEN / Volksoper: DIE HOCHZEIT DES FIGARO

07.03.2015 | KRITIKEN, Oper


WIEN / Volksoper: 
DIE HOCHZEIT DES FIGARO von W. A. Mozart
6. März 2015 

Als seltener  Besucher der Volksoper muss man sich erst darauf einstellen, Mozart in deutscher Sprache zu hören, zumal dies in unserer Welt gewissermaßen „provinziell“ wirkt. Aber schließlich gewöhnt man sich schnell daran in einer Aufführung, die von Regisseur Marco Arturo Marelli gewissermaßen auch auf die deutsche Sprache und auf die Verständlichkeit her pointiert scheint.

Grundsätzlich positiv fällt auf, dass hier ein echtes „Ensemble“ am Werk ist, das  nicht im nicht immer trittfesten „Laß die Räuber durchmarschieren“-Rhythmus der großen Opernhäuser agiert, sondern offenbar bis ins Detail mit der doch recht komplexen und witzigen Produktion vertraut ist. Diese angenehme Ganzheit, die auf optisch reizvoller Ästhetik ohne spürbaren – im Sinn von absichtlich störendem – Inszenierungsansatz beruht, wird von Dirigent Alfred Eschwé (fast) tadellos zusammen gehalten.

Besetzt wird aus dem Haus mit Künstlern, deren Stimmen (auch in der Größe) in diesen Rahmen passen. Graf und Gräfin bestechen durch Humor und Persönlichkeit: Mathias Hausmann sieht gut aus, spielt nicht mehr und nicht weniger als den Frauenhelden (einen herrlichen Neurotiker oder einen brutalen Machtmenschen oder dergleichen darf man nicht erwarten) und singt ihn mit markiger Stimme. Kristiane Kaiser lässt als Gräfin zumal in den Arien einen reizvollen „Schleier“ über ihrer Stimme hören, der an die Silberklänge von  Richard Strauss gemahnt.

Wenn nun die Susanna der Julia Koci, mit sehr kleiner Stimme und mit sehr starkem Persönlichkeitszauber, wirklich wie eine Soubrette klingt, dann erlebt man im „Che soave zeffiretto“-Duett (vielleicht das schönste, das je für zwei Soprane geschrieben wurde) einmal tatsächlich erkennbar unterschiedliche Stimmen, was oft nicht stattfindet und dann als Manko empfunden wird – nur wenn die beiden Frauenstimmen in hörbar unterschiedlichem Charakter in die göttlichen Mozart-Sphären schweben, ist der Zauber dieses Stücks garantiert.

Apropos: Wie heißt eigentlich die „Dove sono“-Arie auf Deutsch? Man kann es nicht sagen, denn wieder einmal kümmern sich die „Native Speakers“ viel weniger um die Aussprache (warum auch? Ist ja die Muttersprache!) als die Ausländer: Zweifellos hat man den jungen japanischen Bariton Yasushi Hirano an diesem Abend akustisch am besten verstanden, weil er sich offenbar mit dem Text die meiste Mühe gegeben hat. Ein sympathisches Bürschchen auch, der hoffentlich (er ist ja noch sehr jung) einfach ein bisschen mehr an Stimmvolumen zulegen müsste, dann ist er auch an großen Häusern interessant.

Aber Clou des Abends war der „heimgeholte“ Cherubin: Die Ungarin Dorottya Láng hat zwei Jahre an der Volksoper verbracht und ist dann zur größeren Karriere aufgebrochen, derzeit in Mannheim (wo sie demnächst ihre erste Marguerite singt), schon nächste Spielzeit als Ensemblemitglied an der Hamburgischen Staatsoper mit einem Ausflug zu einem Liederabend mit Helmut Deutsch in die Londoner Wigmore Hall. Mit einer Strubbelfrisur, die sie zu einer Art Wilhelm-Busch-Figur macht, hat Regisseur Marco Arturo Marelli mit ihr einen Cherubino der anderen Art erarbeitet, nicht der zauberhafte verliebte Jüngling, sondern ein polternder, fast bäuerischer, liebenswert drolliger und zupackender kleiner Frauenheld, gesungen mit ihrem hellen, schönen, biegsamen Mezzo. Ein besonderer Spaß.

Sieht man davon ab, dass der Gesang von Regula Rosin als Marcellina wie eine beabsichtigte Parodie und weniger wie Mozart wirkt, waren auch die Nebenrollen bemerkenswert besetzt, vor allem der köstliche Stefan Cerny mit seinem profunden Baß als einmal sehr vergnügter (statt wie sonst meist missvergnügter) Dottore Bartolo, dazu Karl-Michael Ebner als intriganter Basilio, und selbst David Sitka zuckte einen höchst witzigen Don Curzio. Bei Petar Naydenov fragte man sich allerdings, ob er als Antonio auch mitsingt, aber das kompensierte dann das engagierte Barbarina-Töchterchen von Sera Gösch, die an diesem Abend in dieser Rolle debutierte, voll loslegte und auch mit ihrem Mimikry der Umwelt viel Witz erzeugte.

Die Volksoper hat ein offenbar sehr treues Publikum. Dies war schon die 20. Vorstellung dieser Produktion seit der Premiere Ende 2012, es gibt keine Stargäste, sondern nur die beliebten Ensemblemitglieder, und dennoch war das Haus ziemlich voll und applaudierte heftig.

Renate Wagner

 

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