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WIEN/ Volksoper: DIE FLEDERMAUS. Unser voller Ernst

Volksoper 21.10.2026: Die Fledermaus

Unser voller Ernst

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Gerhard Ernst. Foto: Volksoper

 

Was sind 641 Vorstellungen Fledermaus gegen das Jubiläum für Gerhard Ernst? Es spricht doch sehr dafür, dass der Slogan von der Volksopernfamilie keine leere Phrase ist, wenn man ihm erlaubt, seine 1000ste Vorstellung an der Volksoper noch einmal als Frosch zu zelebrieren. 1000 Auftritte – kaum vorstellbar, auch wenn er als Mozartsängerknabe erstmals im Februar 1959 auf der Bühne stand. Gerhard Ernst ist als Frosch durch viele Jahre eine fixe Größe gewesen und bleibt dies auch 2026: mit Übersicht, Kraft und trockenem Humor ist er noch „voll da“ – unser voller Ernst eben.

Das Ehepaar Eisenstein hat in Gestalt von Annette Dasch und Daniel Schmutzhard nicht nur Bühnenerfahrung mit einer Ehe. Dasch ist eine grandiose Darstellerin, eine ungewöhnlich engagierte und witzige Rosalinde, stimmlich schon auf einige Tricks angewiesen. Schmutzhard ist jene Bariton-Version des Eisenstein, die Eberhard Wächter am nächsten kommt – kann es mehr Lob geben?

Timothy Fallon spielt als Alfred seinen tapsigen Charme aus und freut sich an der Gelegenheit, einige Tenorschmankerln einzustreuen, Annelie Sophie Müller ist eine der besten Mezzosopranistinnen in Wien, stellt den Orlowski allerdings nicht gar so sehr in den Mittelpunkt. Szymon Komasa kann man als Dr. Falke aushalten und Pablo Santa Cruz macht als Frank nichts falsch, kann aber sprachlich und komödiantisch mit Eisenstein oder Frosch kaum mithalten. Obwohl ein sehr exotischer Dr. Blind, fügt sich Seiyong Kim schon sehr organisch in das Ensemble.

Zwei im Wienerischen beheimatete Rampensäue der Sonderklasse sind als Adele und Ida der darstellerische Clou des Abends – mit hübschen (und wieder einmal nicht verstärkten) Soprantönen und – so widersprüchlich das klingt, wenn man sie nicht kennt – graziler Wucht singt und spielt Juliette Khalil eine Adele „vom Grund“ und schafft es, neben Julia Edtmeiers gigantischer Komik nicht unterzugehen. Denn die setzt als Ida vom ersten Moment an Maßstäbe; eine Möchtegernballerina, die jede Szene dominiert.

Animiert durch dessen riesige Erfahrung und empathische Zuwendung glänzt das vielseitige Volksopernorchester (mit recht vielen jungen Gesichtern) in seiner Zentralkompetenz unter Maestro Alfred Eschwé: Chor und Ballett ergänzen tadellos. Szenisch entspricht der klassische „Bobbi“ Herzl am Gürtel dem klassischen „Otti“ Schenk am Ring. So ab und zu das traditionelle Repertoire zu erleben, tut schon gut.

Robert Fucik

 

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