Volksoper: „Der Zarewitsch“ – das Wolgalied, das ist’s! 13. April 2026

Foto: Barbara Palffy/ Volksoper
Der richtige Zarewitsch ist das nicht! Eher so eine Miniversion für einen kleineren Theatersaal. Franz Lehár hat sich solches für seine Erfolgsoperette mit viel, viel schmalziger Schwermütigkeit aber noch mehr tollen Melodien aus den 1920er Jahren nicht verdient. Doch er übersteht unbeschadet dieses sanft dahinfließende Spielchen mit groß projizierten Illustrationen (verlieren wegen ständigen Wiederholungen bald ihren Reiz) und ein bisserl Auf und Ab mit Liebesglück und –leid einer legeren, auf ganz wenige Sänger (ohne Staraufputz) zusammengeschrumpften Besetzung. Den gestandenen Volksopernfans hat der Premierenabend nicht zugesagt. Doch wer sich nach so wunderbaren Lehár-Melodien mit ihrem lyrischen Pathos wie dem „Wolgalied“ oder „Einer wird kommen“ sehnt, heute diese Hits aus besseren Wiener Musiktagen hier oder im ORF-Hörfunk schmerzlich vermisst, darf sich unbekümmert in die Volksoper setzen, gelegentlich ein kleinwenig schmunzeln und das immer die Stimmung treffende Musizieren des Orchesters unter der Leitung von Alfred Eschwé so richtig genießen.
Den munteren Holländer Steef de Jong hat sich die Volksoper als Regisseur, Ausstatter und auf der Bühne werkenden Simpelbildchenprojizierer ins Haus geholt, um den Wienern tolle Silberne Operette auf queere Sichtweise etwas näher zu bringen. Wirkt recht nett, kann aber dem in seinen Liebesbedürfnissen schwer gehemmten Zarewitsch eher ein verstärkt schwules, doch kein fein sezierendes und in die Tiefe gehendes Profil geben. David Kerber in der Titelpartie und Hedwig Ritter als verkleidete Sonja – naja, Katuschukoff steht da auch burschikos am Programmzettel – treten leger und in legerer Dress an die Rampe. Doch horchen wir lieber in den Orchestergraben: Der Wert liegt in Lehárs zutiefst empfundener musikalischer Sentimentalität.
Meinhard Rüdenauer

