Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Volksoper: DER MANTEL/ GIANNI SCHICCHI – „Tendenz steigend“-

28.02.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Volksoper: DER MANTEL/GIANNI SCHICCHI: TENDENZ STEIGEND ( 27.Februar 2012)

Zum Glück sind die Textautomaten in Funktion – denn man spielt zwar am Währingergürtel Puccini auf Deutsch, aber zum Textverständnis trägt dies wenig bei. Denn wenn der Bariton Alik Abdukayumov aus  Usbekistan, die Sopranistin  Hyuna Ko aus  Korea und der Tenor Mehrzad Montazeri aus dem Iran kommen,  dann hört sich das Ganze doch recht „exotisch“ an und man fragt sich unwillkürlich, ob man Puccini nicht doch in der Originalsprache (samt Teleprompter) spielen sollte. Immerhin stammt der engagierte  Dirigent – Alfred Eschwé – aus Österreich und die hier noch recht nüchterne  Regie und Ausstattung (Hausherr Robert Meyer und Christof Cremer) können ebenfalls  als rot-weiß-roter Anteil gewertet werden. Und das Niveau der13.Reprise war achtbar – mehr denn nicht. Das lag vor allem am Sänger des Michele – der  usbekische Bariton Abdukayumov hatte mitten in seinem großen Monolog einen Schwächeanfall und kam kaum über die Runden. Wer ihn erlebt hat, mit wie viel Kraft er ansonsten singt, wird dies bedauern. Hoffentlich machen sich nicht  bereits technische Grundmängel bemerkbar. Ausgezeichnet das „liebende Paar“: Mehrzad Montazeri und Hyuna Ko – die beiden  sind schon rein optisch eine Augenweide und akustisch wird sehr „heldische“ Leidenschaft vermittelt. Von den kleineren Rollen fallen vor allem Christian Drescher als Hering, Andreas Daum als Maulwurf und Alexandra Kloose als Hamsterin positiv auf.

Nach der Pause folgt die „Tragik-Komödie der Erbschleicher- Gianni Schicchi“ – diesmal gab es kaum gravierende Aussprache-Probleme. Die Inszenierung und Ausstattung von Meyer/ Cremer ist glatt aber stimmig. Alfred Eschwé bringt das Volksopernorchester nun verstärkt in Spiellaune. Und  der Großteil des Ensembles ist hervorragend. Vor allem Michael Kraus in der Titelrolle kann seinen schönklingenden, kräftigen Bariton voll einsetzen – er ist witzig und listig, er ist sympathisch und doch „hintertrieben“ wie clever – ein  wahrhaft liebenswerter „Höllenbewohner“ in Dante’s Inferno. Sehr innig, fast zu lyrisch die Lauretta von Andrea Bogner, ihre Arie ist wieder ein Hit; ausgezeichnet bei Stimme ist der Einspringer des Abends Sebastian Reinhtaller als Rinuccio. Und vokal erfreuen auch Karl Michael Ebner als Gherardo, Cornelia Horak als Nella, Yasushi Hirano als Betto und Klemens Sander als Marco. Köstlich der Auftritt  von Florian Spiess als Arzt Spinelloccio. Würdig der Notar des Sebastian Soulès. War der Applaus nach dem „Mantel“ noch zurückhaltend – bei Gianni Schicchi  schwappte die Begeisterung hoch.

Peter Dusek

 

 

Diese Seite drucken