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WIEN/ Volksoper: „CHICAGO“ – munter rein in den alten Broadway-Hit. Premiere

Volksoper: „CHICAGO“ – munter rein in den alten Broadway-Hit 24.10.2026 Premiere

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Copyright: Marco Sommer/ Volksoper

Die Vereinigten Bühnen Wien wie die Volksoper oder die Seebühne in Mörbisch versorgen ihr Publikum heute lieber mit flotten alten Musicals als mit der noch älteren heimischen Operette. Ein Zeichen der Zeit. Auch ein Bekenntnis dafür, das es dieser ’Stadt der Musik’ in diesen Jahren an musikalischem Charakter und Persönlichkeiten mangelt. Wie der Vernunft zum vorsorglichen Aufbau der eigenen jungen Menschen. Immerhin: Für den so intensiv beworbenen Gastbetrieb steht Geld breit. „Chicago“ heißt es nun in der Volksoper. Ein Superstück aus dem Jahr 1975, am New Yorker Broadway in der Inszenierung von Musical-Magier Bob Fosse zum großen Erfolg geführt. Und im Theater an der Wien erlebte „Chicago“ zwei Einstudierungen, 1979 und 1998.

Der 50jährige Publikumshit ist nun wieder auf Wiener Boden gelandet. Welche Show-Freunden kann Regiesseurin Lotte de Beer den heute hierzulande nicht allzu anspruchsvollen Fans der alten Musicals bereiten? Ein schöner Premierenerfolg ist zu erleben gewesen. Der Charakter der Inszenierung bleibt irgendwie vage, doch als Parodie auf die damalige US-Morddamen-Satire könnte das mit vielen kleinen Pointen und großer Gestik angereicherte Spiel gedeutet werden. Das Frauengefängnis in der Einheitstsdekoration auf der Drehbühne bleibt dunkel, bietet keine optische Attraktionen. Auch die Kostümierung wirkt heutig: nicht gerade fesch. De Beer setzt zu einer Spielart an, welche der Inspiration vertraut und den reichen Begabungen der beiden Protagonistinnen ein volles Ausleben erlaubt. Bettina Mönch als Roxie Hart und Myrthes Monteiro als ihre Gegenspielerin Velma Kelly explodieren in überzeichnendem Spiel und können auch gesanglich überzeugen. Ganz schön wirbelig sind ihre Auftritte. Dabei gibt es aber für sie eine immens druckvolle Unterstützung: Die Hits des John Kander – „All That Jazz“ oder der „Cell Block Tango“ –  haben nichts von ihrer knackigen Wirkung verloren. Und mit solcher Überlegung, wohl eher auf darstellerische Übertreibung wie andererseits auf einfache Gags bedacht, werden auch die Ensembleszenen dynamisch durchgezogen. Die Story um die beiden Männer-Mörderinnen wie die Dialoge bleiben eher nebensächlich, nicht so durchschaubar –  Mönch und Monteiro fegen mit ihrer Spiellust darüber hinweg.

Kanders Songs auf Texte von Fred Ebb lassen das Orchester unter Mayaan Franco lustvoll aufspielen. Und Katja Ledoux als ganz schön gefährlich drohende Mama Morton oder Ursula Pfitzner (Mary Sunshine), Lionel von Lawrence (Billy Finn) passen gut ins Spiel. Drei Kinder schleichen sich immer wieder kinderneckisch als kleine Moderatoren ein. Das Kreativteam von de Beer: Bühnenbildner Christof Hetzer zählt zur Volksopern-Garde, Choreographin Arielle Smith ist für das unentwegte auf und ab der Randfiguren zuständig. Nicht auf klare Dramaturgie bedacht, doch darstellerisch munter geht es hier jedenfalls zu – zugeschnitten auf die Qualitäten der beiden auftrumpfenden Protagonistinnen.  

Meinhard Rüdenauer

 

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