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WIEN/ Volksoper: CANDIDE von L. Bernstein. Konzertante Premiere

23.01.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper: CANDIDE (22.1.2012)


Jennifer O’Loughlin, Stephen Chaundy. Foto: Barbara Zeininger

 Sie verfügen über „Ohrwurm-Qualitäten“ – sowohl die Ouvertüre zu Leonard  Bernsteins zweitem Musical als auch die immer öfter präsentierte „Juwelen-Arie“ der Kunigunde. Doch  bei der konzertanten Darbietung von Candide  räumten nicht nur die beiden Zugstücke ab. Die Begeisterung war spontan und groß und niemand hätte vermutet, dass  er Bernsteins „Sorgenkind“ miterlebt hatte. Mehr als dreißig Jahre hatte der Schöpfer der West Side Story um eine endgültige Candide-Fassung (UA 1956) gerungen und zuletzt eine stark gekürzte Konzertfassung vorgelegt..

Das Hauptproblem kommt meines Erachtens vom Autor des Candide-Romans  von Francois-Marie Arouet Voltaire. Sein gegen Leibnitz  (Die beste aller erdenklichen Welten) gerichtetes Werk geht auf alle erdenklichen Unglücksfälle und Torheiten der Menschen ein – schildert das Erdbeben in  Lissabon von 1755  ebenso wie Kriege, die Inquisition oder Korruptionsskandale der Spekulanten. Zuviel Inhalt ist man versucht auszurufen, wenn man Candide nacherzählt. Und deshalb ist die Fassung, die Loriot populär machte, ideal für das überfrachtete Musical.

Nun trägt Robert Meyer die Loriot-Texte vor: erdhaft, ironisch und treffsicher – und das Publikum hört  dazwischen die musikalischen „Juwelen“ und ist begeistert. Dazu hat sich der Volksopern-  „Chef“ für seine neue Paraderolle ein ideales Ensemble gesichert. Unter der  kompetenten musikalischen Leitung des US-Musical-Spezialisten Joseph R. Olefirowicz ( er überzeugte schon bei Guys and Dolls) geht es gleich so richtig „zur Sache“. Stephen Chaundy ist ein etwas verträumter, idealistischer Titelheld – ein Tenor der sich eher zurücknimmt, ein Interpret, der auch in der liedhaften  „kleinen Form“ besteht. Großartig sein Bühnen-Lehrer Pangloss – von Morten Frank Larsen mit feiner Ironie vorgetragen. Neben der Liebe zum Vortrags-Detail fällt  die Helden-Bariton-Attitüde  positiv auf, über die der dänische Bariton so reichlich verfügt. Star des Abend ist die US-Sopranistin Jennifer O’Loughlin als Kunigunde oder wie es bei Bernstein heißt: Cunegonde. Sie  trumpft mit den hohen Koloraturen auf, betört mit ihrer schönen Mittellage, hat auch die entsprechenden „tiefen Töne“ und verbreitet so viel Humor, Warmherzigkeit  und gute Laune, dass auf ihr Konto ein Gutteil des durchschlagenden  Candide-Erfolg geht.  Hinreißend die „Old Lady“ von Kim Criswell. Sie ist ein Musical-Star in den USA und hat mit der schrulligen „Alten“ schon in Paris  und Mailand  reüssiert. Auch an  diesem aktuellen Volksopen-Erfolg ist sie maßgeblich beteiligt. Ausgezeichnet auch das übrige Ensemble. Beate Ritter ist eine reizende Paquette, Stephen Scheschareg ein köstlicher „Dummkopf“Maximilian. Otoniel Gonzaga  beweist, wie man mit kleinen Rollen „einschlagen“kann und Jeffrey Treganza, Karl Huml, Frederick Greene sowie Thomas Plüddemann, Heinz Fitzka und Andrew Johnson wechseln die nicht vorhandenen Kostüme im 5-Minuten-Rhythmus.

Der Volksopern-Chor – wieder unter der bewährten Leitung von Michael Tomaschek – überzeugt durch Engagement und Klangschönheit. Und das Volksopern-Orchester ist in Höchstform – somit kann die Volksoper mit Recht auf einen neuen Hit verweisen samt Traumrolle für den „Hausherrn“. Und auch Marcello Prawy wäre begeistert…

Peter Dusek

 

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