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WIEN / Vienna’s English Theatre: TUESDAYS WITH MORRIE

29.01.2019 | KRITIKEN, Theater


Foto: English Theatre / Reinhard Reidinger VET

WIEN / Vienna’s English Theatre:
TUESDAYS WITH MORRIE von Jeffrey Hatcher
Premiere: 29. Jänner 2019,
besucht wurde die Voraufführung

Der amerikanische Autor Jeffrey Hatcher ist bekannt als Verfasser von „well made plays“, die auch meist ganz praktisch zu realisieren sind – zuletzt sah man vom ihm, auch im Englischen Theater, „A Picasso“, ein Zwei-Personen-Stück über Kunst. Nun spielt Vienna’s English Theater „Tuesdays with Morrie“, wieder zwei Personen, wieder packende eineinhalb Stunden, die vielleicht nur gegen Ende ein bisschen zu sehr „amerikanisch“ auf die Tränendrüse drücken…

Wie so oft bringen die Amerikaner wahre Geschichten auf die Bühne oder auf die Leinwand. Mitch Albom, erfolgreicher Sportreporter, hatte auf der Universität von Brandeis einst einen Soziologieprofessor der besonderen Art, Morrie Schwartz, den er besonders mochte und vize versa. Aber, wie das Leben so spielt – alle Versprechen, man würde nach dem Universitätsabschluß in Verbindung bleiben, wurden natürlich nicht eingelöst. Erst 16 Jahre später hörte Mitch, der all seine Träume über Musikmachen aufgegeben hatte und nur dem Erfolg nachjagte, von Morrie in einer Radiosendung: Er wurde als berühmter „Sterbender“ präsentiert, der an ALS (einer Degeneration der Nervenzellen) litt – und mit wachem Geist nicht nur seine Situation, sondern nach wie vor das Leben und seine großen Fragen analysierte…

Das Stück, das Jeffrey Hatcher aus Mitch Alboms Memoiren-Bestseller gemacht hat, stellt Mitch nun als Erzähler auf die Bühne, der seine letzten Begegnungen mit Morrie schildert und spielt – denn er hat wichtige berufliche Verpflichtungen ausgelassen, um in den letzten Monaten des alten Professors jeden Dienstag mit ihm zusammen zu sein. Und dabei zu lernen, was er in tiefster Seele wusste, dass es wichtigere Dinge gibt als Geld und Erfolg. Das ergibt Wortgefechte voll Humor und Nachdenklichkeit, von den beiden Beteiligten wunderschön liebevoll ausgetragen.

Freilich, wenn jemand dann auf der Bühne stirbt, dann wird es unweigerlich rührselig – aber Morries Weisheit und Mitchs Erkenntnisse transportieren sich. So dass der Zuschauer am Ende das gute Gefühl hat, einen Theaterabend mit den wichtigen Fragen des Lebens verbracht zu haben. Und etwas von der Empathie, die von der Bühne kommt, selbst zu fühlen.

Das funktioniert auch, weil in der einerseits sensiblen, andererseits Pointen nie verschmähenden Inszenierung von Adrienne Ferguson (in einem praktischen Bühnenbild von Judith Croft) so stimmig gespielt wird: Von Stefan Menaul, der als Mitch Antworten auf die großen Fragen des Lebens sucht, wenn ihm der Alltag nicht gerade dieses Leben wegfrißt, und John Atterbury, der den uralten, hinfälligen Morrie, bei dessen Anblick sich das Herz des Zuschauers zusammen zieht, mit souveränem Humor und menschlich-geistiger Überlegenheit spielt.

Renate Wagner

 

 

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