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WIEN / Vienna’s English Theatre: TRAVELS WITH MY AUNT

10.09.2021 | KRITIKEN, Theater

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WIEN / Vienna’s English Theatre: 
TRAVELS WITH MY AUNT
Nach dem gleichnamigen Roman von Graham Greene,
adapted for the stage by Giles Havergal 
Premiere: 9. September 2021‚
besucht wurde die Voraufführung am 8. September 2021

Graham Greene (1904 bis 1991) hat wahrlich nicht nur „fromme“ Romane geschrieben, obwohl er durch dieses Genre am berühmtesten geworden ist. Aber eines seiner gelungensten Werke ist die unwiderstehlich fröhliche Geschichte „Reisen mit meiner Tante“, die 1969 herauskam.

Darin wird ein typisch stocksteifer Engländer von seiner überbordend lebenslustigen Tante in einen Strudel von skurrilen Ereignissen hinein gezogen und passt sich am Ende ihrer herrlich unkorrekten Lebenseinstellung an.

Dass man dergleichen dramatisieren könnte, zumal es eine Überfülle an Nebenfiguren gibt, hätte man wohl nicht für möglich gehalten – wäre man von Giles Havergal nicht eines Besseren belehrt worden. Sein Trick bestand darin, die Geschichte nicht realistisch auf die Bühne bringen zu wollen, sondern gewissermaßen „mit verteilten Rollen“ von vier Schauspielern erzählen zu lassen. Aber der durchaus witzig pointierte Text an sich wäre zu wenig – da ist das Theater mit allem, was es kann (Regie, Darsteller, Raum), hochgradig gefordert.

Vienna’s English Theatre bietet hier in der Inszeneriung von Philip Dart, in einem luftigen, schnell zu verwandelnden, an sich schon komischen Bühnenbild von Ken Harrison, unterstützt von einem Movement Director (Lawrence Evans) den man hier wirklich braucht, ein kleines Meisterstück – choreographierter Slapstick-Humor, dargeboten von vier Herren, wie sie besser nicht sein könnten.

Im Grunde spielt jeder irgendwann einmal den Henry Pulling und seine Tante Augusta, weil sie blitzschnell die Rollen wechseln, wenn sie sich die Pointen punktgenau und mit der Geschwindigkeit von Artisten zuwerfen. Aber dennoch hat fast jeder darüber hinaus irgendwelche dominierenden Rollen zu verkörpern.

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Foto: Vienna’s English Theatre, Reinhard Reidinger

Am meisten „Henry“ ist Anthony Glennon, klein, wendig und auch köstlich, wenn er die zarte Seele spielt, die so lange vergeblich auf Henrys Heiratsantrag gewartet hat. Aber er liefert auch eine brillante Episode als Spanier (auf Spanisch), der aus den Händen das Schicksal liest, und gegen Ende als Tante Augustas halbseidener, nach Südamerika abgetauchter Liebhaber Mr. Visconti (von dem man versichert, so schlimm wie Mengele und Eichmann sei er nicht…)
Am meisten „Tante Augusta“ ist Chris Polick, der die Selbstverständlichkeit ihrer absolut unangepassten Persönlichkeit ironisch und mit unwiderstehlich guter Laune serviert.

Alex Scott Fairley hat neben vielen anderen Rollen noch eine alte Junfger, die Henry am Grab seines Vaters findet, und einen undurchsichtigen amerikanischen Agenten zu spielen.

Und Spencer Lee Osborne, PoC, ist der Drogenhändler, der Tante Augusta heiß liebt, aber er zwitschert auch junge Mädchen, ob abgefeimt oder echt schüchtern, einfach hinreißend.

Alle haben nicht nur den Vorzug exakten Timings, ohne das es hier nicht geht, sondern auch einer präzisen Sprache, die es auch dem nicht „native speaker“ ermöglicht, ihrem Pointenfeuerwerk mühelos zu folgen. Welch ein Vergnügen!

Renate Wagner

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Vienna’s English Theatre
8 Sept – 23 Oct 2021

Graham Greene
TRAVELS WITH MY AUNT
adapted for the stage by Giles Havergal 

CAST & CREATIVE TEAM

Henry Pulling  Aunt Augusta
Chris Polick

Henry Pulling Miss KeeneMr Visconti and other roles
Anthony Glennon

Henry Pulling Hatty Miss Paterson O’Toole and other roles
Alex Scott Fairley

Henry Pulling WordsworthSparrowTooleyCol. Hakim and other roles
Spencer Lee Osborne

Directed by Philip Dart
Designed by  Ken Harrison
Movement DirectorLawrence Evans

 

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