Foros: Vienna’s English Theatre
WIEN / Vienna’s English Theatre:
THE UNFRIEND von Steven Moffat
Premiere: 20. Mai 2026
Vorsicht bei Bekanntschaften!
Nie wieder wird man nach dem Besuch dieses Theaterabends zu flüchtigen Reisebekannten leichtfertig sagen: „Besuchen Sie uns doch, wenn Sie in unsere Nähe kommen“. Denn Elsa, die Plaudertasche von der Kreuzfahrt, steht wenig später wirklich vor der Tür des englischen Ehepaares in London. Und damit beginnen die Turbulenzen, Komplikationen und auch Wahnsinnigkeiten in dem Stück „The Unfriend“ (gewissermaßen die Verneinung des Wortes „Freund“) von Steven Moffat.
Zweifellos versucht Vienna’s English Theatre mit diesem Stück an die große Tradition englischer Splapstick-Komödien aus dem 20. Jahrhundert anzuschließen, aber die rasante Komik eines Philip King, eines Ray Cooney oder Derek Benfield, von Ayckbourn oder Frayn ganz zu schweigen, schafft der Autor nicht, dazu gibt es zu viel Leerlauf (es ist nicht immer wieder lustig, sich darüber zu alterieren, dass man es vielleicht mit einer Mörderin zu tun hat). Aber dafür analysiert Moffat, was für ein britisches (und wohl auch amerikanisches) Publikum zweifellos persönlich amüsqn6 ist, gewissermaßen die Psychologie der beiden Völker, von denen Shaw sagte, sie seien „durch die gemeinsame Sprache getrennt“.

Peter und Debbie sind einfach zu höfliche Briten, um die aufdringliche Amerikanerin Elsa auf die Straße zu setzen, sie lassen sich von der zweifelhaften Dame (hat sie ein halbes Dutzend Leute per Gift hingemeuchelt oder nicht`?) einfach unterbuttern.
Dazu gibt es zweifellos mögliche Alltagsszenen mit einem lästigen Nachbarn und zwei Teenager-Sprößlingen, die so aufmüpfig und unerträglich sind wie Kids ihres Alters häufig. Man kann sich vorstellen, wie Peter und Debbie unter Druck stehen (und entsprechend zappeln), wenn zusätzlich die unverschämte Elsa nicht los zu werden ist… die sich noch dazu mit den Kindern ganz dick anfreundet!
Allerdings dreht sich die Geschichte ziemlich im Kreis und verpufft ohne die große Schlußpointe, die man erhofft haben mag. Aber was das Stück an Komik-Substanziellem schuldigt bleibt, füllt es mit Psychologie auf.

Und da hat Regisseur Philip Dart ein vorzügliches Ensemble aufzubieten, voran Basienka Blake als Elsa, funkelnd vor Frechheit, Berechnung, Hintergründigkeit und auch einer Spur Gefährlichkeit, die Peter (Jack Gogarty, so herrlich „very british“) und Debbie (Daphne Kouma, die sich so wunderbar aufregen kann) sehr wohl spüren.
Die köstlichste Nebenfigur des Abends ist Mark Payton als der lästige Nachbar, unerschütterlich unbeweglich und penetrant zugleich. Joe Bruce und Maia Elsey spielen zwei Teenager, die man nicht zuhause haben möchte. Der eher unnötige Auftritt eines Polizisten (Charlie Tripp) verleiht dem Stück einen ebenso unnötigen Ausrutscher in Fäkalkomik.
Am Ende ist Elsa wieder weg, und man muss froh sein, dass es nicht noch mehr Leichen gibt. Ein hochvergnügtes Premierenpublikum klatschte heftig.
Renate Wagner

