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WIEN / Vienna’s English Theatre: THE MOUSETRAP

20.11.2019 | KRITIKEN, Theater


Foto: Reinhard Reidinger

WIEN / Vienna’s English Theatre:
THE MOUSETRAP von Agatha Christie
Premiere: 5. November 2019,
besucht wurde die Vorstellung am 19. November 2019

Die Dame, die in Vienna’s English Theatre neben mir sitzt, ist offenbar ein „Mousetrap“-Neuling. Das ist gar nicht so einfach. Erstens ist wohl jeder London-Besucher irgendwann im St. Martin’s Theatre gelandet, um eine Aufführung dieses Stücks der Superlative zu sehen. Es wird schließlich seit 1952 ohne Unterbrechung gespielt (ein unerreichter Rekord). Auch in Wien haben wir es des öfteren, zuletzt 2013 an den Josefstädter Kammerspielen, gesehen. Aber es gibt auch Leute, die das trickreiche Gespinst offenbar doch noch nicht kennen. Die Dame neben mir befragt ihr Smartphone, das höflich genug ist, den Täter nicht zu verraten. Nur: Plötzlich merken die Gäste in dem verschneiten Haus, liest sie ihrer Nachbarin vor, dass sich ein Mörder unter ihnen befindet… „Das wird lustig!“ freut sie sich.

Und genau das wird es auch. Wenn man nämlich ein „Mausefalle“-Veteran ist und  sich nicht mehr um das „Wer ist der Täter?“ bekümmern muss, kann man sich so richtig an der Machart des Stücks vergnügen. Mit wie viel Ironie hat Agatha Christie da die Klischees des Genres (von einsamen Landhaus bis zum „unerwarteten Gast“, von dem man tatsächlich nicht erfährt, was es mit ihm für eine Bewandtnis hat) zusammen gemixt. Mit wie viel Witz stellt sie die typischen englischen Figuren auf die Bühne, vom pensionierten Major über den zappelnden Exzentriker bis zur nörgelnden alten Besserwisserin, die mit ihrer unfreundlichen Meinung nie hinter den Berg hält. Und schließlich die Lösung der Geschichte? Sie ist zwar ausgesprochen unfair (aber das hat sie auch in ihren Romanen immer wieder getan – man erinnere sich, wie in „Alibi“ der Täter selbst die Story erzählt, ohne dass man es weiß) – aber beim ersten Mal war man überrascht. Und es ist schon sehr geschickt zurecht gebogen, wie Detective Sergeant Trotter die Herrschaften nach und nach beschuldigt, so dass man irgendwann jeden für den Täter halten könnte…

Dergleichen will sorgfältig auf Pointen und Übergänge inszeniert werden, und das gelingt Regisseur Philip Dart in dem stimmungsvollen, so „britischen“ Bühnenbild von Judith Croft ganz vorzüglich, nur manchmal könnte er noch mehr Tempo vorlegen.

Grace Stone, die als Mollie Ralson wie eine brave, biedere Hausfrau beginnt, rückt im zweiten Teil des Abends mit Verve ins Zentrum des Geschehens. So viel Temperament darf Cai Brigden als ihr Gatte Giles Ralston nicht zeigen, ihn hat Agatha Christie in der Pension, die er und die Gattin führen, meist zum Kofferträger mit ein paar Anfällen von Eifersucht degradiert.

Unter den Hausgästen muss immer die scharfzüngige Mrs Boyle hervorragen, und Karren Winchester hat absolut keine Schwierigkeit damit. Als bunter Vogel namens Mr. Paravicini nützt Michael Fenner all die Chargeneffekte, die er bekommt, dergleichen der junge Mann, der sich Christopher Wren nennt (Alexander Wolfe mit einem Hauch britischer Schwulheit), der sich seine Pointen sichert. Major Metcalf (Mark Katz) und Miss Casewell (Olivia Chappell) haben gegen Ende der Handlung Überraschungen bezüglich ihrer Identität zu bieten…

Ja, und der Detective Sergeant Trotter, der schneebestöbert durch das Fenster in das abgeschiedene Haus einsteigt (immer eine Pointe für sich), ist ja nun wohl die beste Rolle, so entschlossen, wie er den Mörder sucht – Matthew Biddulph tut es zumal mit nachdrücklichem irischen Akzent, der ihn noch besser verständlich macht als alle seine Kollegen.

Am Ende gibt es natürlich die Bitte an das Publikum, die Pointe nicht zu verraten. Ehrensache!

Renate Wagner

 

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