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WIEN / Vienna’s English Theatre: FRANK AND PERCY

Eine alternative Liebesgeschichten

17.09.2026 | KRITIKEN, Theater

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_Fotos: Karin_Svadlenak

WIEN / Vienna’s English Theatre:
FRANK AND PERCY von Ben Weatherill
Kontinentaleuropäische Uraufführung
Premiere: 16. September 2026,
besucht wurde die Voraufführung

Eine alternative Liebesgeschichten

 Hunde haben schon manche heterosexuelle Ehe gestiftet, warum also nicht auch jene von Frank und Percy? Wir leben im 21. Jahrhundert, selbst in England ist die gleichgeschlechtliche Beziehung nicht mehr strafbar.  Warum sollte man also nicht Liebesgeschichten der anderen Art erzählen, wie Autor Ben Weatherill es tut?

Damit hat Vienna’s English Theatre ein echtes Erfolgsstück aus London geholt, wo es 2023 mit Ian McKellen und Roger Allam ein solcher Erfolg war, dass man „Frank and Percy“ in dieser Besetzung mittlerweile auch verfilmt hat. Der Streifen soll noch diesen Herbst / Winter in die Kinos kommen, wobei man das Zwei-Personen-Stück für die Leinwand mit weiteren Rollen angereichert hat. Auf der Bühne sind Zwei-Personen-Stücke allerdings Klassiker – und so überzeugt auch dieses.

Eine Parkbank, zwei Männer, die ihre Hunde rufen (die im Theater natürlich nicht auftauchen, sondern nur im Hintergrund bellen). So elegant Percy daher kommt, mit  dem allerschönsten britischen Upper-Class-Akzent, während Frank mit schlimmem Unterschicht-Tonfall versehen ist, könnte man meinen, dass nur ein „soziales“ Stück über gesellschaftliche Abgründe (und möglicherweise auch Versöhnung durch die Kunst des Theaters) anheben würde. Aber erstens war nicht nur Percy Universitätsprofessor, sondern Frank immerhin Geschichtslehrer (wobei man sich fragt, in welcher Schule man solchen Dialekt spricht), und zweitens kommt es ganz, ganz anders.

Erstaunt findet man sich als Zuschauer innerhalb kurzer Zeit inmitten einer Liebe zwischen zwei alten Männern. Percy war immer schon schwul (solcherart einst von seiner Familie verstoßen) und ist nach einem Vierteljahrhundert von seinem Lebenspartner getrennt (wobei man erfährt, dass er die Trennung wollte – und unschön inszenierte). Frank hingegen war „normal“ verheiratet, ist, seit vier Jahren verwitwet (und noch immer bedrückt über den Krebstod seiner Frau, den er mitansehen musste). Er muss konstatieren, er sei wohl „bi“, als er seinen Gefühlen für Percy nachgibt. Das einzige, was sie trennen kann, wäre ein Strei über die Hunde, aber auch das ist beizulegen…

Das Stück, das das Zueinander der beiden so wunderbar schildert wie die Beziehung, auch wenn sie nicht konfliktfrei ist (Percyleugnet die Klimakrise, Frank kann das nicht begreifen), gerät dann auf eine ziemlich herkömmliche Schiene:  Offenbar muss eine vermutete Todeskrankheit mit all ihrem Schmerz her, aber… soll man es verraten, das alles ist wohl nur den schönen, ergreifenden (kitschigen) Szenen geschuldet, die der Autor bieten will, am Ende ist er gnädig und spendet das Happyend, für das man als Zuschauer dankbar ist, so sehr hat man die beiden alten Herren ins Herz geschlossen.

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Die Wiener Besetzung ist ideal, aber man muss das erste Lob doch Regisseurin Adrienne Ferguson spenden, die ein Meisterstück an Ausgewogenheit lieferte, so dass nichts an dem Abend peinlich wird, nichts schrill (selbst wenn sie kurzfristig mit Regenbogen-Schal herumlaufen) und auch ncihts allzu rührselig.

Diese Balance realisieren mit wunderbarer Chemie zwischen ihnen Mark Elstob als Percy, den er mit geradezu aristokratischer Attitüde versieht (und dabei kann er so herrlich auszucken), während Andrew Williams als Frank den proletarischen Ton der Anfänge hinter sich lässt und zu wirklich berührender Gefühlstiefe findet.

Liebe ist Liebe, wem immer sie begegnet, und wenn sie natürlich auch immer (im Leben und notabene im Theater)  ein Stolperpfad ist, so stolpert man hier ins Theaterglück großer Schauspielkunst. Das Publikum war entzückt.

Renate Wagner

 

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