Tschauner Bühne: Hinauf in den Weltraum, tschaunerisch musikalisch. am 7.7. 2023

Ein bunter echter Enterprise-Schmäh. Foto:Allegria
Ohne Musik geht´s halt nicht! Die Tschauner Bühne in Ottakring, als Stehgreifbühne mit Vorstadt-Flair gehandelt, ist, klar gesagt, die weit unterhaltsamste Musicalbühne der Stadt. Natürlich, da wird schon auf schräg hingezielt. Das ‚Weisse Rössl‘ mutiert zu einem sommerfrischlerischen „Im Grauen Rössl“, bei „Komm ein bisschen nach Italien“ wird im Teeny-Weeny-Strandbikini-Schlagermilieu herumgemurkst. Und Jacques Offenbachs „Salon Pitzelberger“ folgt der Tradition der alten Tschauner-Familie, welche noch in den 40er, 50er Jahren auf ihrer urigen Open Air-Pawlatschen mit kleinem Ensemble sich der Wiener Operette oder Spielopern angenommen hatte, aber auch mit Adolphe Adams romantisch wohltönendem „Postillion von Lonjumeau“ in andere Länder gereist ist.
Heute, von einem lustambitionierten Team geleitet, schielt man nach New York, dem Broadway, und prompt hat man sich diesen Sommer mit „Nonnsense“ das beste Off Broadway-Musical des Jahres 1986 – auch schon lang her – eingefangen. Ein Hit, auch hier, doch schon ein kleinwenig anders. Perfekt agieren sie jedoch, diese fünf meschuggen Klosterschwestern. Und, echt gut, im uraufgeführten „Tschauner Enterprise“-Musical geht es gar da irgendwo in den Weltraum hinauf. Na ja, die US-Weltraum-Spektakel mit ihren Manierismen werden parodiert und …. das hiesige kleine Raumschiff ist ein wohl eher blödes Wiener Linien-Produkt, auf Suche nach neuen Energiequellen. An echten Überraschungen mangelt es hier nicht. Und es wird schon sehr gekonnt auf ironisch gespielt, mit vielen guten Gags, Wortspielen, und die g’schmackige Musikmixtur passt bestens dazu. Konzept und Regie wird einem irdischen Könner wie Andy Hallwaxx zugeschrieben – und somit, wer lachen, sehr viel lachen möchte, dem sei diese ‘galaktische Stehgreif Revue‘ problemlos empfohlen.
‚Stehgreif‘ – wird als Markenzeichen hochgespielt. Doch diese Aufführungen wirken spielerisch schon sehr sorgfältig einstudiert, und die originelle Situationskomik, die Slapsticks, Anspielungen liegen nicht so locker in der Luft, müssen sehr wohl erarbeitet sein. Auch die Souveränität, mit der sich nicht wenige der Darstellen auf der Bühne einstellen, weist auf intensive gestalterische Beschäftigung hin. Sagen wir vielleicht: Irgendwie wird doch dazu ein bisserl g´schickt improvisiert. In alter heimischer Manier, noch mit einem Rest bereits verschwindendem Vorstadt-Charmes. Hier in Ottakring, mit einer etwas anderer Bevölkerung? Bei Tschauner ist nichts zu befürchten …. ausschließlich echte Wiener sind´s, meist älteren Semesters. Durchaus noch ottakringerisch.
Meinhard Rüdenauer

