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WIEN / Theatermuseum: „VEREHRT … BEGEHRT …“

12.09.2021 | Ausstellungen, KRITIKEN

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WIEN / Theatermuseum:
„VEREHRT … BEGEHRT …“
Theaterkult und Sammelleidenschaft
Vom 8. September 2021 bis zum 18. April 2022

Der Kramladen des Glücks

Wer dem Theater einmal verfallen ist, der bleibt es wohl auch. Und wie jede Liebe kann auch diese die seltsamsten Blüten treiben. Unter dem Titel „Verehrt … begehrt …“ geht das Theatermuseum am Lobkowitzplatz nun allerlei Kuriositäten nach, Dinge, die an sich nichts bedeuten – aber wenn ein annähernd verrottetes Stück Holz einmal ein Stück des Alten Burgtheaters war, dürften Fanatiker einst in Begeisterung ausgebrochen sein. Hugo Thimig, seines Zeichens auch einmal Burgtheater-Direktor, und Hubert Marischka, seines Zeichens Schauspieler, Sänger und Regisseur, waren zwei leidenschaftliche Sammler von Devotionalien und Memorabilien rund um das Theater und seine Stars. In zwei Räumen findet man nun viel Kleinteiliges liebevoll aufbereitet.

Von Renate Wagner

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Was es alles gibt…. Die Ausstellung, die für das nicht geübte Auge fast wie ein Kramladen wirken kann, ist für echte Theaterfreunde vermutlich ein Ort des wahren Glücks und der hellen Freude. Er zeigt, dass es nichts gibt, was es in Bezug auf den Theaterkult eben nicht gäbe. Verkohlte Splitter in einer Zigaretten-Blechdose? Die hat jemand nach dem Ringtheater-Brand am 8. Dezember 1881 (der offiziell 384 Menschenleben kostete, wahrscheinlich aber viel mehr) aufgehoben…Alte Eintrittskarten, das versteht sich, aber dass es Knöpfe gibt, bei denen man bei genauerer Betrachtung das Konterfei von Alexander Girardi ausnimmt… Größer ist der Strohhut, den er in einem Stück getragen hat und der heute noch „Girardi-Hut“ heißt. Fächer sonder Zahl verwundern nicht, ebenso wenig Spazierstöcke oder Pfeifen, aber dass es einst eine Telefonwertkarte mit dem Antlitz von O.W.Fischer gab…

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Die Großen von einst   Heute verkauft man an Touristen Trinkgläser, auf denen der Stefansdom oder das Riesenrad abgebildet sind. Einst konnte man „aus Johann Nestroy“ trinken – der große Dramatiker war als Schauspieler so beliebt, dass er in seinen Paraderollen nicht nur als Statuette verkauft, sondern auch auf Gläsern abgebildet wurde. Nicht weniger beliebt war sein Kollege Ferdinand Raimund, wobei der Höhepunkt des Kultes sich wohl auf die Figur der „Jugend“ aus „Der Bauer als Millionär“ bezog, die von Therese Krones verkörpert wurde: Rollenbilder aus diesem Stück hat man sogar auf einem Tabaksbeutel verewigt.

Rund um das alte Burgtheater    Das alte Burgtheater am Michaelerplatz, in ungezählten Stichen und Aquarellen und Gemälden verewigt, war klein und ungemütlich, aber die Wiener haben es geliebt und ihm unglaublich nachgeweint, als sie in das Haus am Ring übersiedeln mussten. Beim Abriß hat man sogar Ziegel aufbewahrt (einer wurde zu einem Briefbeschwerer), selbst ein Stück aus der Türfüllung wurde verehrt… Gerettet wurde ein Toilettenschlüssel, etwas spektakulärer Logenverzierungen oder gar Sessel, die andächtig aufgestellt wurden, während die meisten Objekte in Vitrinen ruhen. So viele, dass man sie gar nicht beschriften konnte. Aber es gibt mit der Eintrittskarte ein Büchlein, wo man alles gut nachschlagen kann.

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Die großen Namen   Wer kennt sie noch (natürlich nur aus der Literatur, aus Bildern), die Stars von einst, die Wolter, die Gallmeyer, die Schratt, die Sandrock… Von einer eine Brieftasche, von einer anderen die Schuhe, wobei man von Fanny Elßler natürlich Ballettschuhe haben musste, wenn man ein wahrer Liebhaber war. Und der Kainz, und der Moissi, und der Thimig…

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Fotogalerien     Im rechten Raum sind die Wände dann mit den klassischen „Starfotos“ gepflastert, die es seit dem Beginn der Fotografie von Schauspielern gab und die sich bis in die fünfziger Jahre hielten (der junge Muliar, die junge Ott sind da auch dabei). Hier ist man dann auch der Gegenwart näher, von O.W.Fischer seine „Bambis“ (er war ja unglaublich beliebt in seiner Filmzeit), von Oskar Werner eine berührend schöne Lebendmaske und wunderbare Fotos. Und dann die Theaterfamilien – die Thimigs, zu denen Max Reinhardt, als Helenes Gatte, auch als Schwiegersohn gehörte, die Hörbigers, deren berühmtestes Mitglied Paula Wessely hieß, und auch andere Burgschauspieler anno dazumal sind vertreten: eine Schreibfeder, mit der Raoul Aslan einst seinen ersten Burgtheater-Vertrag unterschrieb, die Kamera, mit der Heinrich Schweiger so viele Kollegen fotografiert hat, Krawatten von Albin Skoda, und Judith Holzmeisters bunter Reisekoffer…

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Es ist eine bunte Auswahl, die an einer Wand mit vielen Porträtbüsten endet, zu Stein erstarrte Erinnerung, die in dieser Ausstellung geradezu lebendig zu tanzen scheint.

Theatermuseum, Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
„Verehrt … begehrt …“
Theaterkult und Sammelleidenschaft
Bis 18. April 2022 täglich außer Dienstag, 10 – 18 Uhr

 

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