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WIEN / Theatermuseum: RICHARD STRAUSS UND DIE OPER

12.06.2014 | Allgemein, Ausstellungen

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WIEN / Österreichisches Theatermuseum: 
RICHARD STRAUSS UND DIE OPER
„Trägt die Sprache schon Gesang in sich…“
Vom 12. Juni 2014 bis zum 9. Februar 2015 

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Foto: Wesemann

Aus dem Vollen geschöpft

Dass ein Theatermuseum dem Theatermann Richard Strauss eine Ausstellung widmet, ist ein lohnendes Unternehmen. Trotz bemerkenswertem symphonischem Schaffen, trotz berühmter Lieder, bleibt Strauss ja doch als Opernkomponist am nachdrücklichsten präsent. Auch noch 150 Jahre nach seiner Geburt – und daran wird sich nicht so schnell etwas ändern. Dass das Österreichische Theatermuseum aus dem Vollen schöpfen kann, macht die mit Bild- und Tonmaterial so reich bestückte Schau überaus anschaulich und „an“hörlich. „Trägt die Sprache schon Gesang in sich…“ lautet der Zitat-Titel der Präsentation, die sich auch den Librettisten widmet.

Von Heiner Wesemann

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Rollers Entwürfe zum „Rosenkavalier“ Fotos: Theatermuseum

Strauss und Wien     Bedenkt man, dass drei seiner populärsten Opern – „Rosenkavalier“, „Ariadne“ und „Arabella“ –  in Wien spielen und er einen der großen österreichischen Dramatiker, Hugo von Hofmannsthal, zum Librettisten hatte; bedenkt man seine Tätigkeit als Operndirektor in dieser Stadt, seine Zusammenarbeit mit Stefan Zweig und Joseph Gregor, mit Max Reinhardt und Alfred Roller: Wahrscheinlich gibt es immer noch Menschen, die den Urbayern Richard Strauss eigentlich für einen Wiener halten. Böse Mäuler könnten natürlich sagen, dass er das Wienerische Klischee benützte, weil er um dessen weltweite Wirksamkeit wusste. Wie dem auch sei – Strauss und Wien ist das Grundelement der Ausstellung, und man lernt auch, was man in dieser Form nicht wusste, beispielsweise dass  Hermann Bahr (dessen Gattin Anna Bahr-Mildenburg eine große Strauss-Interpretin war) beinahe zum Librettisten des „Intermezzo“ geworden wäre, das sich der Komponist dann doch selbst „dichtete“…

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Foto: Wesemann

Mit Bildern durch ein Leben     An der Wand folgt man der Biographie dieses Richard Strauss, der am 11. Juni 1864 in München geboren wurde (Wiens Ausstellung wurde punktgenau am Geburtstag eröffnet) – Informationen von Jahr zu Jahr, dazu die Fotos fortschreitend durch ein Leben: des kleinen Richard mit Schwester, des jungen Mannes, des selbstbewussten, flott-chicen Komponisten 1914 in London (da war er schon als Opernkomponist berühmt), mondän mit Auto, am Schiff, bei den Salzburger Festspielen, die er mitbegründete, bis zum alten Mann, von dem es viele Fotos, Büste und auch die Totenmaske gibt. Strauss, der sich wie mancher Deutsche, der unbeschädigt bleiben wollte, mehr oder minder unsauber durch das Dritte Reich lavierte (was hier als Thema gestreift wird), starb am 8. September 1949 in Garmisch-Partenkirchen.

Aus dem Vollen schöpfen    Das Theatermuseum ist reich an Originalen zu Richard Strauss, was auch mit Joseph Gregor zusammenhängt, der ein getreuer Sammler für die Wiener Bibliotheken war. Heute zählt das Theatermuseum in seiner Handschriftensammlung 525 Korrespondenzstücke, Musik- und Werkautographen zu Strauss, davon 365 aus eigener Hand. Und abgesehen von Entwürfen zu Aufführungen, Theaterzetteln, Fotos und vielen Kostümen, die dekorativ herumstehen, besitzt das Theatermuseum den mit rund 3000 Entwurfszeichnungen sensationellen Nachlass von Alfred Roller, dessen Entwürfe für „Rosenkavalier“ etwa bis heute die Ästhetik dieses Werks prägen.

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Maria Jeritza als Salome / Rollers „Elektra“-Szenerie  Fotos: Theatermuseum

Antike und Wienerisches    Es wäre ausgeschlossen gewesen, alle Werke von Strauss ausführlich zu behandeln. Also setzt man auf Schwerpunkte. Man sieht „Salome“ (mit der Jeritza in dieser Partie und einem nicht ausgeführten Roller-Entwurf, weil Mahler das Werk 1905 noch nicht im Spielplan durchsetzen konnte: ein klobiger Steinpalast vor Sternenhimmel skizziert ), „Elektra“ (in den machtvoll-antikisierenden Roller-Dekorationen), den „Rosenkavalier“, der zwar 1911 in Dresden uraufgeführt, aber die „Wiener Oper“ schlechthin wurde – und die Zusammenarbeit Strauss – Hofmannsthal – Reinhardt zementierte, die schließlich zur Gründung der Salzburger Festspiele führte. Hier zeigt man auch, von der Staatsoper entlehnt, die erste „Silberne Rose“, die in Wien 1911 überreicht wurde. Von der „Schweigsamen Frau“ besitzt das Theatermuseum das handschriftliche Libretto von Stefan Zweig, an dessen Schicksal die letale Ausgrenzungspolitik des Nationalsozialismus thematisiert wird.

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Ausstellungsraum „Josephslegende“ / Foto: Wesemann

Besonderheiten    Seltsamerweise sind die Ballette von Richard Strauss, denen man sich hier auch widmet, nie so berühmt geworden wie seine Opern. Zur „Josephslegende“ (die nächste Spielzeit in der Staatsoper wieder gezeigt wird) prunkt das Gemälde von Marie Gutheil-Schoder als Potiphars Weib, das Anton Kolig schuf, riesig an der Wand, von „Schlagobers“ gibt es hinreißende Kostümentwürfe und Fotos. Man hat sich also nicht nur auf das Bekannte konzentriert. Ein Clou der Ausstellung: eine „Glasharmonika“, die man als Begriff kennt, aber selten zu sehen bekommt: Strauss hat sie zur Charakteristik des „Unirdischen“ in der „Frau ohne Schatten“ eingesetzt. Zu den Besonderheiten zählt auch die 2006 rekonstruierte Stummfilm-Version des „Rosenkavaliers“ von 1926, die durch die Opulenz ihrer Roller-Ausstattung damals die Filmfirma in den Konkurs getrieben hat…

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Die Glasharmonika  / Foto: Wesemann

Strauss grüßt      Strauss, ein Meister der medialen Selbstvermarktung, grüßt den Besucher des Theatermuseums am Stiegenaufgang mit erhobenem Arm, wie in Siegerpose (eigentlich dirigierend), umgeben von den Titeln seiner wichtigsten Werke. So laden die Kuratorinnen Christiane Mühlegger-Henhapel und Alexandra Steiner-Strauss zu dem reichhaltigen Spaziergang durch Leben und Theatergeschichte von Strauss ein. Der Katalog (Residenz Verlag) bietet zwar keine exakte Objekte-Übersicht, kompensiert aber durch reichhaltige Bebilderung der interessanten Textbeiträge. Opernfans werden Strauss demnächst auch auf ihre Briefe kleben können: Eine 0,62-Euro-Sondermarke zeigt ihn als älteren Herrn, sinnend lächelnd. Und das Theatermuseum bietet ein reiches Rahmenprogramm zur Ausstellung.

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Bis 9. Februar 2015, täglich außer Dienstag 10 – 18 Uhr

http://www.theatermuseum.at/

 

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