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WIEN / Theatermuseum: ALLES TANZT

23.03.2019 | Ausstellungen, KRITIKEN

WIEN / Österreichisches Theatermuseum:
ALLES TANZT
KOSMOS WIENER TANZMODERNE
Vom 21. März 2019 bis zum 10. Februar 2020

Tanz ist Bewegung

Auch im Theatermuseum sind sie zu bewundern, die Schwestern Wiesenthal, die sich in luftigen Gewändern ihren „freien“ Bewegungen hingaben: „Alles tanzt“ wirkt wie eine Verlängerung der „Wien 1900“-Ausstellung des Leopold Museums, mit Konzentration auf das wichtige Element des Tanzes. Auch diese Kunstform warf damals im übertragenen Sinn das Korsett ab und erfand sich neu: Es war eine Welt, in der Frauen dominierten. Der „Kosmos Wiener Tanzmoderne“ ist nun im Erdgeschoß des Theatermuseums auf leider nicht sehr großem Raum aufbereitet.

Von Heiner Wesemann

 
Fotos: Wesemann

Rosalia Chladek und die anderen   Im übertragenen Sinn kann sie als Initiatorin dieser Ausstellung gesehen werden: Rosalia Chladek (1905 bis 1995), eine der großen „Tanz“-Persönlichkeiten Österreichs im 20. Jahrhundert. Ihr Nachlaß wurde dem MUK (Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien) übergeben, und er erwies sich als so reichhaltig, dass Ausstellungsgestalterin Andrea Amort sich entschloß, nicht eine auf Chladek beschränkte Schau zu zeigen. Vielmehr geht es neben ihr um die großen Persönlichkeiten, die in Wien jene Gedanken aufnahmen und weiterentwickelten, die von der legendären Isadora Duncan (1877-1927) in die Welt gebracht worden waren. Chladek war, als Absolventin der berühmten Tanz-Schule von Hellerau bei Dresden, nur eine der vielen Frauen, die sich in Wien zusammen fanden: Grete Wiesenthal (1885-1970), die mit ihren Schwestern Elsa und Berta eine eigene Tanzgruppe gründete (und auch durch ihre Arbeiten für Gustav Mahler und Max Reinhardt berühmt wurde); Gertrud Bodenwieser (1890-1959), die ihre Arbeit im australischen Exil fortsetzte; Susanne Schmida (1894-1981), die Tanz mit Philosophie und Yoga verband; Hilde Holger (1905-2001), die schon als Pionierin des „Modern Dance“ angesehen wird. Und es gibt noch weitere Namen von Relevanz. Jede dieser Künstlerinnen hat zum Thema „Tanz“ das klassische Ballett weit hinter sich gelassen. Freie Körpersprache drückte Emotionen aus, war vielfach provokant, auch oft „politisch“ zu lesen.

Dokumente, Plakate, Fotos     Das Theatermuseum muss bekanntlich noch einige Jahre lang seine „großen“ Ausstellungsräume der Akademie der bildenden Künste überlassen (die während der Renovierung des eigenen Hauses am Schillerplatz hier „eingemietet“ ist). So bleiben für eine Ausstellung, die so viel Material besitzt, nur zwei kleinere Räume mit einem verbindenden Eingang. Und auch dieser Platz ist großzügig offen gestaltet. Dokumente und Plakate fokusieren wichtige Persönlichkeiten und zeigen, wie vehement der „neue“ Tanz in einer sich neu formierenden Gesellschaft angenommen wurde. Die Fotos klären, dass es nicht mehr um klassische Ästhetik ging. Und daneben spielt die echte „Bewegung“ eine wichtige Rolle.

Tanz ist Bewegung   Monitore und Leinwände vermitteln den Tanz, wie er auf Filmen aufbewahrt ist. Oft sind es nur Sekunden, die überliefert sind, wie im Fall von Isadora Duncan, oft Minuten (etwas mehr wie drei), in denen man zusehen kann, wie die Schwestern Wiesenthal den Donauwalzer tanzten. Es gibt ausführlicheres Material zu Rosalia Chladek. Man kann viele Tanz-Ausschnitte sehen in dieser Ausstellung. Darüber hinaus wird es Life-Performances geben, die Gegenwart in Bezug auf die Vergangenheit.

Zwischen Buchdeckeln     Noch sind gedruckte Bücher nicht imstande, wie ein Laptop auch bewegte Bilder zu bieten. Aber der großformatige, 384 Seiten dicke und entsprechend schwere Katalog im Hatje Cantz Verlag kann an optischem Material noch weit mehr zeigen als die Ausstellung und wird für seine Beiträge sicher für alle Zeit seinen festen Platz in der wichtigen Tanz-Literatur einnehmen.

ALLES TANZT
KOSMOS WIENER TANZMODERNE
Österreichisches Theatermuseum,
bis 10. Februar 2020. Täglich außer Dienstag von 10 bis18 Uhr

 

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