14.6. Theater im Park/Wiener Comedian Harmonists, Gesang; Richard Reiter, Klavier; Christoph Wagner-Trenkwitz, Moderation
Wochenend’ und Sonnenschein (im Herzen)
Die Wiener Comedian Harmonists, allesamt Sänger des Wiener Staatsopernchores (Oleg Zalytskiy, Gerhard Reiterer, beide Tenor, Johannes Gisser, Martin Thyringer, beide Bariton, Hermann Thyringer, Bass), in hör- und sichtbarer Anlehnung an die unsterblichen Comedian Harmonists haben sich deren Musik des Berlin der 1920er und -30er Jahre, die durch Joseph Vilsmaiers filmisches Meisterwerk 1997 mit Ulrich Noethen in der Hauptrolle genial wiederbelebt wurden, angenommen und touren mit unterschiedlichen, aber immer ausgewogenen und anspruchsvollen Programmen durch diverse Spielstätten.
Der Erfolg gibt ihnen recht – Es ist wahrhaft Musik für die Ewigkeit, die vor fast schon 100 Jahren geschaffen wurde und die die Menschen einer damals sehr unruhig-brodelnden Zeit wenigstens für ein paar Momente in glücklichere Sphären versetzen konnte.
So dürfen beim diesjährigen Auftritt der Wiener Comedian Harmonists die ganz großen Hits ihrer Vorgänger nicht fehlen: „Die Liebe der Matrosen“, „Ein bisschen Leichtsinn kann nicht schaden“, „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“, „Veronika, der Lenz ist da“, „Wochenend’ und Sonnenschein“ und der legendäre „kleine grüne Kaktus“ – alles blendend arrangiert, alles blendend am Klavier begleitet von Richard Reiter. Elegant im Frack tritt das Quintett auf und schafft es sofort, die Atmosphäre des Berlin der 1930er zu kreieren: Schon wähnt man sich mit der oder dem Angebeteten auf einem Sommerpicknickausflug in den Wald, schon steht man in einer schummrigen halbseidenen Bar, schon sieht man die stachelige Pflanze vom Balkon fallen, alles mit dem Übermut einer Epoche, die wohl ein Ablaufdatum hatte. Und beim Text vom Onkel Bumba aus dem (wohl erfundenen) Kalumba, der nur Rumba tanzt, fragt man sich ebenso wie bei der besungenen Krokodil-Bar am Nil, ob heutzutage solche witzig-charmant gereimten Texte überhaupt möglich sein dürften oder ob da nicht die kulturelle Aneignungsverbotspolizei ihre Strafzettel der moralischen Überlegenheit verteilen würde.
Das Ensemble bietet aber noch mehr: Viel Swing und Jazz, gar Marschmusik („In the mood“, „Stars and Stripes“, „Puttin’ on the Ritz“, um nur einige Nummern zu nennen), zumeist textlos, aber in unnachahmlicher Weise die fehlenden Instrumente mit Gestik und Laut nachahmend oder auch Solistisches, wenn Johannes Gisser Pirron und Knapps Camping-Lied wiederauferstehen lässt: So entstehen vor dem geistigen Auge herrliche Momente am Weg zur mobilen Urlaubsbleibe auf der Südautobahn, wo sich die ganze Camping-Equipage nach und nach verfrüht verabschiedet.
Mit Christoph Wagner-Trenkwitz, der sich als Conférencier ganz in seinem Element sieht, steht ihnen ein moderierender Vollprofi zur Seite, der mit Charme, Schmäh und einen unglaublichen Wissensfundus die einzelnen Stücke wie dereinst Marcel Prawy bei seinen legendären Staatsopernmatineen vorzustellen weiss. Dass seine Scherze nicht immer politisch korrekt sind und dass er auch über sich selbst lachen kann, macht seine kleinen Einführungen umso lebendiger.
Und es wären keine echten Opernsänger, die nicht gerne mit den ihnen zugemessenen Klischees spielten, wenn sie nicht auch „Nessun’ dorma“ (hier übernimmt Oleg Zalytskiy den Solopart) und in 3-Tenöre-Manier „O sole mio“ zum besten geben würden – dabei darf das überdimensionale Taschentuch des Tenorgottes aus Modena ebensowenig fehlen wie die dargebotene offene Frack-Brust.
Sabine Längle

