
WIEN / Theater im Park:
DUNKELGRAUE LIEDER
Hommage an Ludwig Hirsch zum 80. Geburtstag
Johnny Bertl
8. Juli 2026
Einer unserer großen Poeten
Als der 21jährige Musikstudent Johnny Bertl mit seiner Gitarre bei Ludwig Hirsch anklopfte, ahnte er nicht, dass vor ihm 32 Jahre engster Zusammenarbeit lagen, rund 4000 Konzerte inbegriffen. Das währte bis zum 24. November 2011, als sich Hirsch selbst das Leben nahm, um dem Erstickungstod durch seine Raucherlunge zuvor zu kommen. Übrigens: Dass Ludwig Hirsch den Johnny Bertl stets als sein „musikalisches Schutzengerl“ bezeichnet hat, würde Bertl selbst nie erzählen – das hat man aus dem Internet…
15 Jahre nach seinem Tod ist Ludwig Hirsch, der am 28. Februar seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte (er kam 1946 zur Welt), im Gedächtnis des Publikums so lebendig wie eh und je, Das zeigte ein dicht gefüllter Abend im herrlichen Theater im Park (im Schwarzenberg-Garten neben dem Belvedere), den Bertl mit einer Handvoll Mitstreiter als Hommage an diesen nicht mehr erlebten runden Geburtstag veranstaltete.
Er selbst saß nicht nur mit seiner Gitarre zentral auf der Bühne, er war auch insofern der „Conferencier“, als er viel Persönliches über Ludwig Hirsch erzählte, der ein besonderer Mensch war, wenn auch im Auge der Normalbürger wohl verschroben, gefangen in den allerseltsamsten Gedankenwelten.
Das beweisen so gut wie alle seiner Lieder, die er selbst getextet und komponiert hatte. Wie wenig es ihm ausmachte, zu befremden und Anstoß zu erregen, zeigte schon sein frühes Lied „Die Omama“, wo er nicht in die wienerische Sentimentalität angesichts des Todes der lieben Omi verfiel, sondern sie auf ihre Nazi-Vergangenheit ansprach. Hirsch wollte Menschen zum Denken bringen, zu den verschiedensten Themen. Dafür standen ihm alle sprachlichen und gedanklichen Variationen zur Verfügung – zärtlich bis brutal, elegisch bis komisch, satirisch bis poetisch.
Der Abend im Theater im Park vereinte Johnny Bertl und seine Band mit einer Handvoll hochkarätiger Interpreten: Wolf Bachofner etwa setzte mit „Der Kater“ einen Höhepunmt, der hinreißenden Geschichte eines Hinterhofkaters (mit köstlichen Geräusch-Anteilen). Kaspar Simonischek war für flapsig Wieneriscihes zuständig, Felix Kramer, seines Zeichens selbst Liedermacher, für die gröberen Stücke. Johnnys Tochter Jo Bertl war die einzige Dame in der Interpreten-Schar, und sie bekam einige schöne Lieder – darunter „In deiner Sprache“, worin es heißt: „Das schöne Wort Tod, schön wie ein Stern“…
Womit man bei der besonderen, man kann sagen morbiden, man kann sagen existenziellen Beziehung wäre, die Ludwig Hirsch zum Tod hatte. Das Lied „Der fremde Soldat“ berichtet fast zärtlich von einem jungen Mann, der da in Uniform in der Wiese liegt – bis sich heraus stellt, dass er ein Loch zwischen den Augen hat… „I lieg am Ruckn“ ist die grausige Reflexion eines Toten im Sarg, der heraus will. Ja, und „Komm großer schwarzer Vogel“ ist geradezu eine Hymne an das Sterben.
Hirsch hat sie schon in jungen Jahren gesungen und damit Verstörung erzielt. Er sang das Lied am Ende jedes seiner Konzerte… nur nicht bei seinem letzten, wie Johnny Bertl berichtet. Das war ein Freiluft-Event, ein Unwetter brach herein, das Lied fiel aus, „Nächstes Mal!“ rief Hiersch Bertl zu. Aber es gab kein nächstes Mal.
Es gibt aber einen Sänger, einen Musiker, vor allem aber einen Poeten, der zu Österreichs schillerndsten, besten und traurigsten zählt, einer, bei dem jede Geschichte ein Gleichnis war, das den Zuhörer nachdenklich zurück lässt. „Bitte, vergesst’s mi ned!“ heißt es im „Großen schwarzen Vogel“, der ihn letztendlich geholt hat.
Nein, wir vergessen Dich sicherlich nicht.
Renate Wagner

