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WIEN / Theater der Jugend: RONJA RÄUBERTOCHTER

09.10.2018 | KRITIKEN, Theater

 
Fotos: Theater der Jugend / Rita Newman

WIEN / Theater der Jugend im Renaissancetheater:
RONJA RÄUBERTOCHTER von Astrid Lindgren in der Bearbeitung von Barbara Hass
Premiere: 9. Oktober 2018

Jeder weiß es aus eigener Erfahrung: Man kann sich nicht aussuchen, in welche Welt, in welches Milieu man hineingeboren wird. Wenn „Räuber“-Papa Mattis, der in Schwedens Wäldern unterwegs ist, Töchterchen Ronja bekommt, erwartet er von ihr natürlich etwas Begeisterung für seinen Beruf. Aber was ein ordentliches Astrid-Lindgren-Mädchen ist, fragt sich schon, warum man sein Leben eigentlich kriminell fristen muss…

„Ronja Räubertochter“ ist ein Roman, den die Lindgren (1907-2002) im Jahr 1981 abseits von ihren vielen Serien geschrieben hat. Die Ingredienzien sind unwiderstehlich – rivalisierende Räuberbanden, die Mattisräuber hier, die Borka-Bande da, zwei Sprösslinge, Ronja und Birk, die sich à la Romeo und Julia verlieben, zwei Ausreißer mit Charakter, die sich durchsetzen, und eine Menge Eltern-Kind-Problematik, wenn die Jugend nicht so will wie die Alten.

Freilich, die Räuberbanden „versöhnen“ sich am Ende zwar aus den falschen Gründen (um gemeinsam stärker gegen die Polizei zu sein), aber die Jungen, die auch bereit waren, wegzugehen und sich durch alle Härten allein durchzukämpfen, werden zumindest ihrerseits das „Handwerk“ ihrer Eltern nicht fortführen. Manchmal muss man sich von seinen Bindungen frei machen, um das Richtige zu tun. Auch, wenn’s weh tut…

Abgesehen vom Buch selbst (der übliche Lindgren-Welterfolg) haben Film, Fernsehen, Musical Ronjas „vorbildliche“ Geschichte verbreitet. Das Theater der Jugend tut es nun als Saisoneröffnung im Renaissancetheater, und es ist immer wieder ein Vergnügen, wie gut und professionell hier Theater gemacht wird. Wobei Regisseur Yüksel Yolcu den Darstellern (die durch ihre Kopfmikrophone besonders schrill und laut klingen) noch mehr Temperament verordnet hat, als die Sache will: Da wird hierumgebrüllt, mit Stöcken geklopft, auch ganz brutal gerauft, dass man die Produktion für Sechsjährige (ab diesem Alter ist die Aufführung vorgesehen) ein bisschen früh findet. Aber wer weiß schon, was die Kinderchen alles auf ihren Smartphones sehen… da ist das vielleicht harmlos dagegen.

Jedenfalls entfaltet sich die Geschichte von Ronja und ihrem Widerstand gegen falsche Konzepte sehr schön, wenn man auch versteht, dass ihr Papa tief enttäuscht ist, wenn sie ihm so in den Rücken fällt, dass er das als Verrat betrachten muss… mit allen familiären Konsequenzen, Tränen, Schmerzen und Enttäuschungen. Katharina Stadtmann ist keine Schauspielerin, die wirklich mitreißt und begeistert, aber sie macht ihre Sache sehr gut. Tiefer geht allerdings ihr Papa in Gestalt von Frank Engelhardt, dem man den lauten Räuber und die versteckte Seele gleicherweise glaubt. Rührend angelegt ist die Figur des Räubers Glatzen-Per, als welcher Jakob Elsenwenger weit älter wirkt als er ist. Der jugendliche Liebhaber ist an Harwin Kravitz gegangen, eine starke Mama an Patricia Nessy. Der Rest des Ensembles spielt alles, was nötig ist.

Und die Lindgren sagt uns wieder einmal nachhaltig, was richtig ist.

Renate Wagner    

 

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