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WIEN / Theater der Jugend: DIE WIESE

Polit-Nachhilfe für Kids

21.05.2026 | KRITIKEN, Theater
theater der jugend (renaissancetheater) / die wiese musical von thomas zaufke (musik) und peter lund (text)

Fotos: Sophie Menegaldo/TDJ / : Rita Newman/TDJ

WIEN / Theater der Jugend / Renaissancetheater:: 
DIE WIESE
Musical von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text)
Premiere: 20. Mai 2026

Polit-Nachhilfe für Kids

Zum Ende der Intendanz von Thomas Birkmeir zieht eine politische Märchenstunde in Musicalform in das Renaissancetheater ein. Der Abend, der schon für die Erstklassler gedacht ist, bietet eine schlichte Parabel an, deren Sprache so sehr an heutige Medienformulierungen angepasst ist, dass die Kinder im Zuschauerraum, je älter sie sind, diese vermutlich wiedererkennen werden.

Peter Lund als Texter hat zu der gefälligen, aber im Grunde unauffälligen Musik von Thomas Zaufke simplifizierend genug die Geschichte einer anfangs idealwn Welt entworfen: eine bunt bevölkerte, friedliche Wiese.

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Theater der Jugend (Renaissancetheater) /
Die Wiese
Musical von Thomas Zaufke (Musik) und Peter Lund (Text)

Im Mittelpunkt die Biene Maja, die in unerschütterlicher Gutmenschlichkeit die diversesten Käfer und Insekten zusammen hält und Liebe, Toleranz und Verständnis predigt. Das geht nur so lange, bis („gut“ und „böse“ müssen zwecks klarer Argumentation scharf getrennt sein) die Ameise zu dem Biotop stößt. Sie möchte die allgemeine Freiheit reglementieren, und als die „ausländischen“ Termiten Unterschlupf suchen (und von Maja natürlich bekommen), hat Ameiserich Albert endlich die Feindbilder, gegen die er die schwachen Charaktere unter den Tieren zusammen rotten kann…

Das ist die klare Argumentation einer Parabel, die das Aufkommen des Faschismus erklären will. Da stehen wir (wenn auch noch nicht ganz) in der Gegenwart. Der Rest ist dann etwas wirre Zukunftsutopie, wenn sich eine Bürgerwehr bildet und die „Guten“ das Abfackeln der Termiten-Behausung gerade noch verhindern können. Dann wird den Bösen verziehen, Liebe, Freude, Eierkuchen, man hegt die Hoffnung, dass Kinderleins aller Arten friedlich miteinander aufwachsen werden – eine Utopie, die gleichfalls an die heutige Wirklichkeit anstößt.

Bei aller Schlichtheit gut gemacht, ist es eine hübsche Aufführung geworden, von Peter Lund selbst in einer bescheiden phantasievollen Ausstattung von Ulrike Reinhard vordringlich freundlich inszeniert, mit kindergerechter Charakterisierung der einzelnen Charaktere.

Die Biene Maja ist liebevoll, herzig, entzückend, die unerschütterliche Gutmenschin (Lucia Miorin), deren Anmut von den urwienerisch-ordinären Tönen der Mücke (Ursula Anna Baumgartner) konterkariert werden. Stefan Rosenthal zieht als zackige Ameise die Schraube glaubhaft langsam an, die übrigen flattern durch das Geschehen.

Es steht den „Großen“ nicht an, die Schlcihtheit des Ganzen zu kritisieren, denn in dem vorgegebenen Alter kann man nur zeigen, nicht differenziert argumentieren. Hoffen wir, dass sich einiges von dem, was sie sehen, positiv in den Kinderköpfen festsetzt. Denn nur ein Tiermärchen ist es nicht…

Renate Wagner

 

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