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WIEN / Theater der Jugend: DER TALENTIERTE MR. RIPLEY

13.01.2017 | KRITIKEN, Theater
Szenefotos

Fotos: Rita Newman

WIEN / Theater der Jugend im Theater im Zentrum:
DER TALENTIERTE MR. RIPLEY von Patricia Highsmith
in einer Fassung von Thomas Birkmeir
Premiere: 13. Jänner 2017
 

Das Positive zuerst: Thomas Birkmeir, Direktor des Theaters der Jugend, der immer wieder (aber keinesfalls so oft, dass es unstatthaft wäre) im eigenen Haus als Regisseur antritt, hat seine schon öfter bewiesene glückliche Hand in der Umsetzung von Prosa auf die Bühne erneut gezeigt (bei seiner ersten Sherlock-Holmes-Dramatisierung ist ihm das ja geradezu vorzüglich gelungen). Diesmal ist wieder ein „Krimi“ an der Reihe, ein absoluter Klassiker des Genres, „Der talentierte Mr. Ripley“ von Patricia Highsmith.

Man kennt die Geschichte des  Tom Ripley (wenn man sie nicht in diesem ersten Roman und dann auch noch in einigen Fortsetzungen gelesen hat) zweimal aus dem Kino, mit Alain Delon oder Matt Damon  –  der junge Kerl aus bescheidenen Verhältnissen, der sich nicht mit seinem Schicksal abfindet, sondern es wendet und sich die Identität eines reichen (und von der Highsmith als oberflächlich und nutzlos gezeichneten) jungen Mannes aneignet – mit List, Tücke und schließlich Mord, der bald noch einen weiteren nach sich zieht.

Thomas Birkmeir als Regisseur realisiert dies bemerkenswert minimalistisch – eine fast leere Bühne, die jeweils nur die notwendigsten Requisiten bekommt, im Hintergrund ganz diskret die Andeutung von Orten projiziert (Bühne: Goda Palekaitė, Kostüme: Susanne Özpinar) und im übrigen nur die Figuren. Tom Ripley hier als Ich-Erzähler (was er im Buch nicht ist), der mit Partnern agiert, aber immer wieder aus der Rolle fällt, um den Publikum zu erzählen, was eigentlich Sache ist – ein uralter Trick, aber ein sehr guter, wenn man ihn beherrscht.

Da kann die Geschichte in ausgewählten Szenen, einfach nur die wichtigsten mit dem aus dem Buch geholten Dialogen, ablaufen: Birkmeir hat auch noch ein diskretes, aber perfekt ausgefeiltes System von etwas Musik und Geräuschen eingebaut, um mit Riesensprüngen die Handlung gleicherweise zu gliedern wie voranzutreiben – Schnipp, und man ist schon wieder woanders.  

Szenefotos

Jakob Elsenwenger

Im übrigen ruht der Abend fest auf den Schultern des 24jährigen Jakob Elsenwenger, der alles spielt, was dieser Tom Ripley verlangt: den ehrgeizigen Aufsteiger, der von Anfang an ein Meister der Verstellung ist (kurz: der geborene Lügner und Betrüger), den Täter, der Schritt für Schritt in der Ausübung seiner kriminellen Instinkte sicherer wird, die Verwandlung des „Niemand“ Tom Ripley in den selbstbewussten Millionärssohn Dickie Greenleaf – und am Ende den unverschämt über das  Schicksal triumphierenden Sieger.

Da sind die anderen nur Staffage: Julian Schneider, der das ungute Wesen des Dicke perfekt ausspielt, die vielleicht etwas laute Ursula Anna Baumgartner als einzige Dame des Geschehens, dazu noch Uwe Dreysel als fieser Freddy, Uwe Achilles als Vater Greenleaf, Frank Engelhardt als Polizist. Die beiden Morde auf der Bühne „entschärft“ Birkmeir als Regisseur durch „Slow Motion“, aber er kommt vom Buch / Stück her nicht darum herum, dass einer mit einem Bootspaddel, ein anderer mit Kopie einer antiken Statuette erschlagen wird …

Und das ist nun auch der Einwand, dieses Stück einem Teenager-Publikum ab 13 Jahren vorzusetzen, ohne dass man sich aufs moralische Roß schwingen will. Aber das ist keine amüsante Gaunerkomödie, das ist auch mehr als nur die psychologische Studie eines Zu-kurz-Gekommenen, der Gelegenheiten am Schopf packt, es ist die Geschichte eines Verbrechers – und da weiß man eigentlich nicht, was sie einem jugendlichen Publikum sagen soll (zumal die Highschmith ja absichtsvoll keine „Moral“ kennt)? Was als Lektüre, was im Kino für Erwachsene einfach ein Highsmith-Meisterstück ist – als Theaterstück für Jugendliche fühlt man sich definitiv nicht wohl dabei.

Renate Wagner

 

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