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WIEN / Theater an der Wien: THE FAIRY QUEEN

01.03.2012 | Oper

WIEN / Theater an der Wien: 
THE FAIRY QUEEN von Henry Purcell
Konzertante Aufführung in englischer Sprache
1.März 2012 

Bevor Robert King den Taktstock hob, um mit dem von ihm gegründeten Ensemble The King´s Consort den musikalischen Teil der „Semi-Opera“ namens „The Fairy Queen“ in Wien darzubieten, sagte er einleitende Worte ins Publikum, wohl von der richtigen Annahme ausgehend, dass wir über diese spezifisch englische Kunstform des ausgehenden 17. Jahrhunderts wenig wissen. Erst Georg Friedrich Händel hat, als er zu Beginn des 18. Jahrhunderts nach London kam, den Engländern das gebracht, was wir heute unter „Oper“ verstehen. Davor waltete eine krude Mischung an musikalischem Unterhaltungstheater, „Masques“ genannt – Gesamtkunstwerke aus Musikstücken, Gesang, Tanz, gewaltiger Ausstattung. Als man diese noch mit dem Schauspiel kombinierte (wobei Sänger und Schauspieler in den verschiedenen Teilen des Abends tätig waren), entstanden die „Semi-Operas“. Bedenkt man, dass die „Fairy Queen“ nur den musikalischen „Aufputz“ zu einer Aufführung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ bildete und an diesem Abend im Theater an der Wien allein zweidreiviertel Stunden dauerte, kann man sich vorstellen, mit welch Monsterabenden man es damals zu tun hatte. Die üppige Ausstattung der Aufführung von 1692 musste man sich vorstellen, wie Robert King fast bedauernd meinte. Aber auch die Musik allein bot noch jede Menge von Genuss.

Denn alles, was bei Händel später streng und strukturiert wurde, war bei dem so jung verstorbenen Henry Purcell (1659-1695) noch locker und trotz besinnlicher, lyrischer Passagen nahezu im ganzen Grundton heiter und beschwingt. Die musikalischen Szenen allein ergeben, wollte man sie nach strenger Dramaturgie betrachten, überhaupt keinen Sinn, sind buntes, abstruses, fast absurd anmutendes Durcheinander von Rüpelszenen, Allegorien (wie Nacht und Schlaf), klassischer Festlichkeit (Huldigung der vier Jahreszeiten), Exotismen (völlig unvermittelt treten Chinesinnen auf) und am Ende das Hohe Lied des ehelichen Glücks: Da zwitschern alle geradezu, wie „happy“ sie sind, und dergleichen überträgt sich mühelos aufs Publikum.

Im Gegensatz zu anderen Ensembles alter Musik wirkt The King´s Consort überhaupt nicht gestrig, was wohl auf die Leichtigkeit und Elastizität des nie trockenen Klanges zurückzuführen ist sowie auf die Stringenz, mit der Robert King Heiteres laufen und Besinnliches schwingen lässt. Die üblichen „Pauken und Trompeten“ des Barocks strahlen, ein Tamburin lieferte Schellenklänge, und wie toll die Truhenorgel klang – ja, das erlebte man groteskerweise am nachdrücklichsten, als die Musiker zweimal zwischendurch ihre Instrumente stimmten: Sonst gingen die edlen Töne meist innerhalb der Orchesterfülle unter…

Zehn Sänger nahmen auf der Bühne Platz, drei Damen, sieben Herren, wobei das Programmheft drei von ihnen als Solisten hervorhob, was nicht völlig gerecht war, da noch einige andere mit Arien und Soloaufgaben hervortraten. Den Chor stellten sie jedenfalls alle gemeinsam. Lucy Crowe war prima inter pares mit zwei Sopran-Kolleginnen, der markige Bariton von David Wilson-Johnson holte sich die meisten Effekte, von dem stotternden, betrunkenen Poeten bei seinem ersten Auftritt bis zum pastosen Hymen am Ende. James Gilchrist bekam nicht wesentlich mehr zu singen als einige seiner Tenor- und Counter-Kollegen im Ensemble, die man mangels Bildern im Programmheft nicht identifizieren konnte.

Am Ende gab es den üblichen stürmischen und wie üblich auch verdienten Beifall.

Renate Wagner

 

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