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WIEN/ Theater an der Wien: LES CONTES D’HOFFMANN- Premiere

19.03.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/Theater an der Wien: LES CONTES D’HOFFMANN   Premiere 19.3.2012


Juanita Lascarro, Aris Agiris. Foto: Barbara Zeininger

Die größten Erfolge erzielt dieses Haus, wenn es auf seinem angestammtem Gebiet bleibt, mit interessanten Raritäten, die es wert sind wieder gespielt und gehört zu werden. Mit großen Repertoireopern hingegen kann man zwangsläufig nicht konkurrieren. Zumal gerade dir trockene, harte Akustik des Raumes Offenbachs Romantik nicht gut tut. Sängerisch kann ja kaum mit der Staatsoper wetteifern.

Man merkt schon, dass der Regisseur William Friedkin vom Film kommt. Er arbeitet die Handlung klar heraus, führt die Personen gut. Hoffmann und Lindorf/Coppélius, Mircale, Dapertutto sind die beiden Seiten einer Person. Die Regie wirkt aber eher bedächtig, mit wenig Feuer. Sehr gelungen ist das Bühnenbild von Michael Curry, wenig schön die modernen Kostüme von Herbert Murauer.

Riccardo Frizza leitet als Dirigent die Wiener Symphoniker recht engagiert, aber der wirklichen Schwung in die Sache zu bringen, gelingt auch ihnen nicht so ganz. Offenbach hatte zwar eine Menge für seine letzte Oper komponiert, starb jedoch  bevor er am Ganzen die gewünschte Form geben konnte. So gibt es jede Menge von Fassungen und Bearbeitungen.

Die Titelrolle war Kurt Streit. Er ist ein verdienter Sänger, mit einem klaren, hellen Timbre, welches eher für Barock und Mozart, denn für Hochromantik geeignet ist. Für den Hoffmann, so meint man, bräuchte man mehr an Stimmfarben, Wärme, Expansion, auch wenn es  nicht gleich Domingo sein muss. Streit singt an und für sich gut und mit vollem Einsatz.

Im kleineren Haus klingt Roxana Constantinescu besser als vor kurzem als Elvira in der Staatsoper. Aber begeistern konnte sie nicht. Im Antonia-Akt hat sie ein Solo, das noch am besten gelang (mir scheint, ich hätte dies noch nie gehört).

Nicht nur Gegenspieler, sondern die dunkle Seite Hoffmanns ist der Bösewicht Lindorf, Coppélius, Miracle, Dapertutto ist Aris Argiris. Er beginnt recht trocken und seine Stimme scheint irgendwie eingeengt. Im Lauf des Abends wird er freier.

Mari Eriksmoen sang die Olympia. Im Ganzen gelang es ihr recht gut. Natürlich darf man nicht daran denken, wenn man schon alles in dieser Rolle gehört hat. Ihr gelang es jedoch mit Anstand.

Die Antonia liegt Juanita Lascarro gesanglich kaum, so tut sie sich auch schwer damit. Ein Regieeinfall: als sie während des Duetts mit Hoffmann im Bett liegt, umarmt sie die Mumie ihrer Mutter.

Von den Damen konnte noch am meisten die Giulietta der Angel Blue überzeugen. Sie hat ein warmes Timbre voller Farben, sie kann die Stimme öffnen und richtig strömen lassen.

Das restliche Personal: die Stella hat in der gespielten Fassung auch etwas zu singen, mit großem Vibrato tat dies Magdalena Anna Hofmann. Die vier Diener gab Andreas Conrad.  Oliver Ringelhahn, Pavel Kudinov, Martijn Cornet, Maciej Idziorek, Ann-Beth Solvang sind die Namen der restlichen Sänger.

Für eine so bekannte Oper gab es nur sehr verhaltenen Szenenbeifall. Zum Schluss war der Beifall natürlich stärker, aber ohne starke Begeisterung. Das Ganze ist nicht misslungen, aber auch nicht hinreißend geworden.

Martin Robert BOTZ

 

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