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WIEN/ Theater an der Wien: I DUE FOSCARI oder „Ein Fest für Domingo“. Premiere

15.01.2014 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Theater an der Wien: I DUE FOSCARI oder „Ein Fest für Domingo“

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Davinia Rodriguez. Foto. Prammer (Theater an der Wien)

Ein Fest für Domingo“, so könnte man seit Jahrzehnten Opernabende mit dem wunderbaren Sänger übertiteln. Es passt auch zu dieser Aufführung im Theater an der Wien, einer Co-Produktion mit Los Angeles, Covent Garden und Valencia. Die Geschichte der Familie Foscari ist vielleicht nicht der originellsten eine, aber welches Libretto strotzt schon vor Logik und Glaubwürdigkeit? So viel Unglück, Missgunst und Intrige auf einmal können nur zu einem letalen Ende der beiden Titelhelden führen, das lässt dann aber auch so berührende Szenen zu, wie die
Duette mit Lucrezia, Jacopos Frau, oder die großartige Sterbeszene des Francesco. Auch dir großen Chorszenen – hier hat der junge Verdi bereits ebenso glanzvoll imposant komponiert wie in späteren Werken – sind mit dem fragwürdigen Inhalt erst ermöglicht worden. Aber kehren wir zum Wunder „Domingo“ zurück, wie er die Rolle des einsamen Dogen und unglücklichen Vater gestaltet, ist unvergleichlich. Wie er die Rolle singt, eigentlich ebenfalls. Die Einschränkung beruht auf dem kleinlichen Hinweis, dass Domingos Stimme erst „warmlaufen“ musste, ehe sie zur vollen Kraft und Ausdrucksstärke fand. Aber vor allem im dritten Akt war er so präsent, wie man es von ihm gewohnt ist.

Viel unbescheidener kann man es nicht ausdrücken, aber er ist ein Künstler von höchster Qualität und man legt auch nach fast fünf Jahrzehnten einer glänzenden Karriere immer noch höchste Maßstäbe an, und beklatscht nicht seine großen Leistungen in der Vergangenheit.

Ihm zur Seite standen drei Sänger, die sich im Schatten Domingos aber doch recht erfolgreich schlugen. Arturo Chacón-Cruz sang den Jacopo, seine Stimme besitzt Kraft und Ausdauer, in der Höhe war er makellos, die Mittellage war mitunter etwas farblos. Seit seinem Debüt in
diesem Haus (Hoffmann, 2012) hat er aber einiges an Routine und Differenzierungsvermögen dazugewonnen. Nicht ganz glücklich konnte man mit der Sängerin der Lucrezia, Davinia Rodriguez. Zweifellos ist die Partie der unglückseligen Schwiegertochter mit allen Schwierigkeiten gespickt, die man sich denken kann, vergleichbar mit der Odabella in Attila, oder der Lady Macbeth. Dennoch sollte die Intonationssicherheit nicht gänzlich hinter intensiver Ausdruckskraft und Lautstärke zurückbleiben.

Der Bösewicht Loredano wurde von Roberto Tagliavini mit ansprechen guter Stimme dargeboten, auch optisch konnte man an dem roten Gewand sofort den Schurken erkennen. Recht explosiv spielte das ORF Radio-Symphonieorchesters Wien unter der kundigen Leitung des Dirigenten James Conlon. Die vorgegebene Lautstärke war für die Sänger eine große Herausforderung, die sie aber mit viel Kraft meistern
konnten. Sehr gut wie immer der Arnold Schönberg-Chor unter Erwin Ortner.

Johannes Marksteiner

 

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