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WIEN/ Theater an der Wien: FIDELIO – Premiere

17.03.2013 | KRITIKEN, Oper

Theater an der Wien:  FIDELIO    Premiere 17. 3. 2013

Martin Gantner (Pizarro). Foto: Barbara Zeininger

So haben Sie den Fidelio noch nie gehört!  Nikolaus Harnoncourt ist Garant für gänzlich ungewohnte Sichtweisen. Wir sind gewohnt Beethoven in spätromantischer Manier zu hören, und nun wird das Werk im vermutlichen Originalklang gespielt. Mit dem Concentus Musicus. Deutlich blechlastig, manchmal extrem langsam, dann wieder sehr schnell, mit langen Generalpausen, manchmal ganz leise, wie gehaucht, fast unhörbar, dann voll im Forte. Besonders die Florestan-Arie war so zu hören. Natürlich verstört das die Zuhörer. Man muss sich darauf einlassen, oder man lehnt das ab. Herkömmliche Erwartungen werden jedenfalls nicht erfüllt. An Dirigenten wie Böhm und Bernstein darf man nicht denken, ebenso wenig an die Wiener Philharmoniker. Im Programmheft erklärt Harnoncourt seine Lesart, man sollte das vor der Vorstellung durchlesen.

Es werden zudem keine schweren Stimmen eingesetzt, sondern lyrisch-leichte. Juliane Banse ist man als Mozart-Sängerin gewohnt. In dieser Interpretation kann sie die Leonore singen und man merkt die Qualität ihrer Stimme. In der Florestan-Arie singt Michael Schade manchmal nur gehauchte Passagen, auch das Orchester „flüstert“ dabei. Man kann sich die beiden nur in dieser Lesart in ihren Rollen vorstellen.

Die Produktion hat optisch eindeutig einen faschistischen Eindruck, sowohl im Bühnenbild von Rolf Langefass, als auch in den Kostümen von Birgit Hutter. Die Personenregie ist durchaus gelungen, nur für das jubelerfüllte Finale fiel dem Regisseur nichts ein, alle sind in Konzert-Kleidung, nur der Minister ist als Beethoven verkleidet. Das wirkt doch sehr aufgesetzt.

Rocco ist Teil des Systems, so wie er sich gibt, ist es nicht anders möglich. Lars Woldt steigert sich im Verlauf des Abends beträchtlich. Alle anderen haben, auch für dieses Haus, eher kleine Stimmen. So Anna Prohaska als Marzelline. Aus Berlin hört man immer wieder begeisterte Berichte, nach dieser Premiere, versteht man das nicht so recht. Sicher sie singt gut, aber es bleibt etwas offen. Auch Johannes Chum ist gut, aber auch hier bleibt etwas offen. So ähnlich ist auch der Eindruck, den man von Martin Gantner/Pizarro und dem Minister/Garry Magee vermittelt bekommt. Aber diese Stimme passten zu Harnoncourts Interpretation.

Viele Zuhörer wirkten irgendwie ratlos, aber das war ja immer so bei diesem Dirigenten. So ungewohnte Klänge müssen erst einmal verdaut werden. Harnoncourt gehört zu den Menschen, die im Alter radikaler werden, erst ist keiner, der mit den Jahren behäbiger und milder wird.

Martin Robert BOTZ.

 

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