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WIEN/ Theater an der Wien: FIDELIO

27.03.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Theater an der Wien: FIDELIO am 26.3.2013

 Es ist schwer, seine eigenen Vorurteile über Bord zu werfen und an einer sehr ungewöhnlichen Produktion von Beethovens Fidelio Gefallen zu finden. Das kleine Theater erfordert ein schlankes Orchester, dessen Klang alles andere als opulent klingt. Dennoch konnte man sich mit der sperrigen Wiedergabe des Concentus Musicus unter dem bekannt eigenwilligen Nikolaus Harnoncourt anfreunden, wenn man die zahlreichen Patzer der Bläser überhören wollte und geduldig auf einen Quantensprung im zweiten Akt warten konnte. Der ungewöhnliche Klang der Instrumente war nicht für den etwas spannungslosen ersten Akt verantwortlich – aber auch.

Die Akteure fanden lange nicht zu einer geschlossenen und berührenden Interpretation des Meisterwerkes. Im Verband mit dem äußerst tristen Bühnenbildes (Rolf Langenfass/Stago-Casall Arts) und der bedrohlichen Kostüme (Birgit Hutter) konnte man bei der wahrlich wohlbekannten, edlen Musik nicht warm werden. Die Kerkerszene brachte aber den Umschwung, plötzlich waren Menschen am Werk, deren Schicksal berührte, auch wenn man den Handlungsverlauf kennt, war man doch gefesselt von der Darstellung durch die Sänger. Gesanglich war freilich nicht nur Gutes zu hören, Michael Schade bewältigte die dramatische Rolle des Florestan mit Anstand, mehr Kraft kann man von einem lyrischen Tenor nicht verlangen, wenn man seine Karriere nicht ernstlich gefährden will. Juliane Banse sang die Leonore mit großem Einsatz, lange Zeit war sie eine mehr als achtbare Besetzung dieser schwierigen Rolle. Erst gegen Ende der Aufführung waren die Grenzen der Stimme bemerkbar. Lars Woldt war ein sehr guter Rocco, mit seinem kräftigen Bass war er ein Fels in der Brandung. Martin Gantner verlieh dem Pizarro die nötige Portion an Gemeinheit, Schöngesang wäre da auch unpassend. Anna Prohaska war eine wunderbare Marzelline, ihr schlanker, wohlklingender Sopran war ein großer Pluspunkt des Abends. Johannes Chum sang den Jaquino mit viel Temperament, sein schlankem Tenor wusste zu gefallen. Überraschend gut war auch die Rolle des Don Fernando besetzt, Garry Magee besitzt einen wohlklingenden, lyrischen Bass, der sehr gut zu der Rolle des Befreiers passte – warum er mit Beethoven-Perücke auftreten musste, war nicht ganz klar.

Die Inszenierung Herbert Föttingers war angenehm arm an modischem Schnickschnack, das Stück spricht für sich selbst, jeder Besucher hat ausreichend Phantasie, um Parallelen in der Weltgeschichte zu erkennen. Eine interessante Produktion, die man sicherlich lange in Erinnerung haben wird.

 

 

 

 

 

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