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WIEN/ Theater an der Wien: ATTILA – oder was Peter Konwitschny daraus macht. Premiere

07.07.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Theater an der Wien: ATTILA – Premiere am 7.7.2013

Wenn Peter Konwitschny Regie führt, darf man mit Ungewöhnlichem rechnen. Er enttäuschte weder Freund noch Feind und bearbeitete Verdis Frühwerk nach Herzenslust. Nicht immer logisch, nicht immer geschmackssicher, aber sehr turbulent. Das Geschehen erstreckt sich auf drei Lebensabschnitte, da fällt es dem traditionsbewussten Rezensenten bisweilen schwer, den bekannten Handlungsfaden zu verfolgen. Zwei Kritikpunkte sind aber anzumerken: Punkt eins, wenn Despoten, Kämpfe und Kriege lächerlich gemacht werden, nimmt man all das Üble nicht mehr so ernst wie man eigentlich sollte. Punkt zwei, alte Menschen in ihrer Gebrechlichkeit lächerlich zu machen (die Helden bewegen sich im letzten Akt im Rollstuhl/Rollator/auf Krücken über die Bühne), zeugt nicht von großem Respekt vor dem Alter und seinen unbehaglichen Begleiterscheinungen.

Nebenbei wurde auch musiziert, und hier beginnt das eigentlich Bedenkliche, denn das Theater an der Wien hat in dieser Produktion nur mäßig gute Musik geboten. Das ORF-Orchester unter dem bemühten Riccardo Frizza, schaffte es nicht, die Lautstärke zu drosseln, da dröhnte es zuweilen bedenklich im Haus. Auch konnte man mit der Qualität einzelner Gruppen nicht zufrieden sein, zu viele Patzer und Unaufmerksamkeiten waren zu vernehmen.

Das gilt auch für den sonst immer bestens disponierten Arnold Schönberg-Chor unter Erwin Ortner. So hat man (vor allem die Männer) noch nie singen gehört, da waren nicht nur die Einsätze verwackelt, die richtigen Töne wurden mitunter deutlich verfehlt. Leider ist auch von den Protagonisten wenig Erfreuliches zu berichten. Dmitri Belosselsky in der Titelrolle enttäuschte, seine Stimme hatte zwar ausreichend Kraft, aber in den tiefen Regionen war er nicht zu hören. Auch darstellerisch konnte man nicht den grausamen Despoten in ihm erkennen. George Petean sang den Ezio ziemlich farblos, in der Höhe angestrengt und seine Bühnenpräsenz war nur begrenzt bemerkbar. Man darf nicht an Piero Cappuccilli oder Giorgio Zancanaro denken…. Die Rolle der Odabella erfordert einen dramatischen Sopran, der aber auch zu feinen Lyrismen fähig sein sollte. Lucrecia Garcia hatte ausreichend Kraft, und setzte vielleicht sogar zu viel davon ein, wirkte aber stimmlich unausgeglichen, vielleicht aus Mangel an
Bühnenerfahrung. Die undankbarste Tenorrolle einer Verdi-Oper, der Foresto, bietet auch hochrangigen Tenören wenig Gelegenheit, mit strahlendem Schmelz zu glänzen. Davon war Nikolai Schukoff weit entfernt. Er plagte sich hörbar, die
Stimme war in der Höhe eng und mit viel Energie versuchte er, die Klippen der Partie zu umschiffen, leider erfolglos. Man kann sich nach diesem Abend nur Konwitschnys Motto aneignen, die Kunstgattung Oper nicht allzu ernst zu nehmen
(oder sollte man doch…?).    

 Johannes Marksteiner

 

 

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