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WIEN/ Theater an der Wien: ARTASERSE – konzertant

21.11.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN: Theater an der Wien: ARTASERSE konzertante Aufführung 20. 11.2012

Lange Zeit waren Belcanto und Barock eher verpönt, wenn überhaupt, wurden einige Passionen und Oratorien aufgeführt, eher in spätromantischer Manier. Man denke nur an den seinerzeit in Wien sehr beliebten Karl Richter. Die Giganten Wagner und Verdi beherrschten die Bühnen. Allmählich erwachte das Interesse für frühere Musik. Inzwischen gibt es ganz exzellente Sänger und Musiker, das Publikum schätzt diese Musik und es werden immer wieder unglaubliche musikalische Schätze wiederentdeckt. Es sei nur an Vivaldis Opern erinnert, die noch nicht lange wieder gespielt werden.

Wer überhaupt den Namen Leonardo Vinci (hat nichts mit Leonardo da Vinci zu tun) gehört hat, kannte wohl nichts von ihm. Er stammte aus Stromboli in Kalabrien, machte große Karriere in Neapel und Rom und starb bereits 1730 mit 30 Jahren. Es gibt kein Portrait von ihm, ebenso wenig wie von Pergolesi. Es gibt wenige historisch gesicherte Fakten über ihn. Zumeist sind es tradierte Geschichterl. Artaserse war seine letzte Oper, für Rom geschrieben. Damals durften dort keine Frauen auf einer Bühne auftreten (Skakespeares Julia war ein Mann, damals war in England ebenso für Frauen die Bühne verboten). Aber man liebte im Barock die Kastratenstimmen, Verkleidungen, Aufhebung der Grenzen zwischen Mann und Frau, verwickelte Handlungen in mehreren Strängen. In dieser Oper gibt es 5 Counter und einen Tenor.

Für die die Wiederaufführung dieser Oper nach 300 Jahren, gab es ein szenische Produktion in Nancy (wenn man Fotos der Inszenierung im Stil von Ludwig XVI. sieht, ist man entzückt). Jetzt folgt eine konzertante Tournee durch viele Städte in Europa. Da die Sänger jedoch auswendig singen, kommt doch Leben auf die Bühne. Es wurde auch eine CD-Aufnahme gemacht, die man mit großem Vergnügen anhört. Da die Aufführung konzertant erfolgte, erspare ich mir den Versuch die Handlung zu erklären.

Diego Fasolis leitete in vorzüglicher Weise das Ensemble Concerto Köln auf ganz überzeugende Weise. Man spürte direkt die große Begeisterung der Künstler, sie schufen eine ausgezeichnete Basis für den großen Erfolg.

Es schien die Weltelite der Counter-Sänger versammelt. Alle Sänger standen weit über den schwierigsten technischen Anforderungen, ganz gleich, ob es Tonsprünge, Koloraturen, rasante Läufe waren. Erstaunlich auch die perfekte Intonation und die extrem schöne Tonproduktion.

An der Spitze stand Philippe Jaroussky als Artaserse, Sohn des ermordeten persischen Königs Serse. Auch er soll ermordet werden, aber er verzeiht schließlich seinen Feinden. Wer diesen Sänger je gehört hat, kann wohl die Begeisterung nachvollziehen. Mit seinem einmaligen Timbre meint man wirklich die Stimme eines Engels zu hören. Es ist einfach unglaublich, dass jemand so schön singen kann. Man kann auch etwas begreifen, warum so außerordentliche Kastraten absolute Stars waren. Heutige Counter haben eine so vorzügliche Technik und Schönheit der Stimme, dass sie so etwas singen können. Seine geliebte Braut Semira, Tochter seines Feindes, ist der offensichtlich noch sehr junge Valer Barna-Sabadus. Im Timbre und der Stimmschönheit hat er eine gewisse Ähnlichkeit zu Jaroussky, auch etwas von einem engelhaften Klang. Artaserses Schwester Mandane wird vom, ihn Wien bekannten und beliebten Max Emanuel Cenčić auf die Búhne gebracht. Auch er hat eine exquisite Stimme. Er trat úbrigens in orientalischer Kleidung auf.

Als Präfekt der königlichen Leibgarde ermordete Artabano den Serse und will nun dessen Sohn Artaserse aus der Welt schaffen, er begeht zudem Mandane, Schwester des Artaserse. Der Tenor Daniel Behle singt diesen Bösewicht. Ja, er ist sogar bereit seinen Sohn Arbace zu opfern, um ja seine finsteren Pläne durchzusetzen. Der Sänger ist ja bekannt und in barocker Singweise sehr gut bewandert. Dieser Sohn/Franco Fagioli ist einer der großen Publikumsstar des Abends. Er besitzt ein süßes Timbre, hat ein elegantes Timbre und sein Vater ist bereits den Unschuldigen für seine finsteren Pläne zu opfern. Übrigens die Counter haben, ebenso wie andere Sänger, ein voneinander sehr verschiedenes Timbre. Ein Anhänger des Verschwörers ist schließlich Megabise, der von Yuriy Mynenko mit heldischem Timbre sehr schön gesungen wird.

Trotz der 3 ¼ Stunden dauernden Aufführung, verließ fast niemand das Theater und das Publikum raste direkt vor Begeisterung. Eine bessere Besetzung kann man sich kaum oder gar nicht vorstellen. Eine Aufführung die begeisterte und denkwürdig war.

 

 

 

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