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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: „VISIONARY DANCES“ – kraftvoll getragen vom Zeitenfluss. Premiere

Wiener Staatsballett: „Visionary Dances“ – kraftvoll getragen vom Zeitenfluss am 28.3. 2026

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Copyright: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett

Was hatten die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren, Jahrzehnten in ihrer Tanzszene zu bieten? Wiens Staatsballett-Chefin Alessandra Ferri, teils auch US-geprägt, deutet dies den Wiener Ballettfreunden in ihrem Staatsopern-Dreiteiler „Visionary Dances“ an. Und auch im „American Signatures“-Programm ab kommend Mai in der Volksoper werden diese Lehrstunden fortgeführt. Also, es wird Englisch gesprochen, und mit „Heatscape“ (Choreographie Justin Beck) und „Yugen“ (der Engländer Wayne McGregor) oder „In the Upper Room“ (Twyla Tharp) wird in der Strömung des Zeitenflusses perfektes choreographisches Handwerk vorgeführt.

Mir großem Beifall für ein hochambitioniertes wie artistisch gefordertes Ensemble wurde der Premierenabend aufgenommen. Sieht man von der Klassik ab, so ist die zumeist erfreuende Kunst des Bühnentanzes nun einmal allzu kurzlebig. Überleben dürfte in diesem Angebot jedenfalls die nun 85jährige Twyla Tharp. Der Ausflug der Erfolgsdame (auch mit ihren Tänzen zu den Filmen „Hair“, „Amadeus“) in einen wohl etwas höher gelegenen spährischen Upper Room ist mit ihrer eigenen Kompanie 1986 erfolgt. Und mit der damals so in Mode gestandenen Musik des Philip Glass und dessen alles niederwälzenden repetitiven Harmonieklänge wird ein virtuoses wie lockeres, mit Paaren im Gleichklang, wirbelnden Gruppentänzen und witzigen Soli durchsetztes originelles wie atemloses neckisches Tanzspiel vorgeführt. Zwar aussagelos, doch zu Tänzer- und Zuseherfreuden mit heute noch frischem Duktus.

Die Jüngeren haben Tharps damals so echt modern strahlendem Stil aufgenommen, setzen diesen in ihrer eigenen Manier fort. Justin Beck, Jahrgang 1987 und gut beschäftigt vom New York City Ballet und am Broadway, läßt es in seiner ‚Hitzelandschschaft‘ zu Bohuslav Martinùs frühem ersten Klavierkonzert nicht so ganz poetisch wie dieses doch lebendig und auch ein bisschen sensibel vibrieren. Und der Engländer Wayne McGregor, reif in seinen 50er Jahren, hat sich von den hebräischen Gesängen von Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“ zu einem ebenso kraftvollen doch etwas besinnlicheren Tanzpoem verführen lassen.

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Copyright: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett

Das teils neu zusammengesetzte Staatsballett erfüllt in bunten Trikots hingebungsvoll alle dies die Anforderungen. Wenn darf man in dieser tänzerischen Überfülle hervorheben? Pardon, bleiben wir bei den musikalisch Assistierenden: Der Schönberg-Chor und edle Knabenstimmen wurden eigens für Bernsteins Psalmengesang engagiert und in den Orchestergraben geholt; der Brite Gavin Sutherland ist diesmal am Pult gestanden. Und das Publikum? Ja, die Zustimmung am ersten Abend ist sehr positiv gewesen.     

Meinhard Rüdenauer

 

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