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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: SCHWANENSEE – mit Svetlana Zakharova

07.04.2014 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

6.4.2014: „SCHWANENSEE“ – mit einer Bolschoi-Schwanenkönigin auf Besuch

Ein gut mundendes sonntägliches Schwanen-Dinner! Ja, beinahe: ein Festmahl. Die ausverkaufte „Schwanensee“-Aufführungsserie hat mit dem Gastspiel von Svetlana Zakharova einen gewissen Höhepunkt erreicht. Nicht, dass Zakharova die beiden in Wien engagierten exzellenten russischen Ballerinen Olga Esina und Liudmila Konovalova an künstlerischen Qualitäten übertrumpfen kann. Doch die in St. Petersburger Mariinski Theater  ausgebildete 35jährige Ukrainerin zählt über ein Jahrzehnt zu den Stars des Moskauer Bolschoi Balletts und sie wird als eine der weltweit erfolgreichsten Tänzerinnen bestens vermarktet (übrigens, auch am Kunstmarkt fix placiert ist ihr Gatte, der Stargeiger Vadim Repin).

Also, da hat Zakharova schon eine feine Leistung in der Staatsoper abgeliefert. Doch ebenso zu bewundern waren die Schwäne rund um sie als hochpräzise funktionierende und von Zauberer Rotbart (Eno Peci) dominant gedrillte Geschöpfe. Choreographie von Rudolf Nurejew nach Marius Petipa und Lew Iwanow steht zwar am Programmzettel, doch vom tänzerischen Feuer eines Nurejew ist in der jetzigen Produktion wenig zu spüren. Nicht spielerische Leichtigkeit zeichnet zur Zeit die Tänzer des Wiener Staatsballett aus, sondern mit absoluter Disziplin fügen sie sich in das tradierte Rankenwerk der Ballettklassiker, geben es glasklar konturiert an den Betrachter weiter. Bezüglich des nur dezent auflodernden Feuers in dieser Vorstellung: Partner Vladimir Shishov ist trotz seines stattlichen Auftretens gegenüber solch einem Schwanenkönigin-Ideal bloß eine halbe Portion.

Zakharova, groß und gertenschlank, ist als total durchgestylte Odette/Odile zu bezeichnen. Mit ausgefeiltester Pantomime, mit nachdrücklichen Betonungen und langem Atem zelebriert sie eine hochelegante Schwanensprache. Spritzig, mit aller Rasanz geht sie ihre virtuosen Passagen an. Auf Spitze und in ihrer extrem quicken Beinarbeit wirkt sie in jeder Hinsicht perfekt. Die von ihr gesetzten Schritte weichen, wohl erlaubt, schon etwas von denen ab, die Nurejew damals vorgeschrieben hatte. Minimal nur, doch gelegentlich nicht so ganz konfliktfrei schien die Abstimmung mit Shishov und dem Orchester (die Musiker und Dirigent Alexander Ingram sind in der Aufführungsserie besser zusammengewachsen), doch ein richtiges „Schwanensee“-Fest wurde jedenfalls geboten.                                 
Meinhard Rüdenauer

 

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