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WIEN/ Staatsoper/ Staatsballett: MACMILLAN / MCGREGOR / ASHTON“

eine Brexit-Mixtur mit Ablauffrist

09.06.2019 | Allgemein, Ballett/Tanz

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Foto: Ashley Taylor/ Staatsballett

Wiener Staatsoper: Das Wiener Staatsballett mit „MACMILLAN / MCGREGOR / ASHTON“ – eine Brexit-Mixtur mit Ablauffrist

Very british – oder doch nicht so ganz homogen gestylt? Oder gar schon mit Ablauffrist? Das ins Repertoire wieder aufgenommene Programm „MACMILLAN / MCGREGOR / ASHTON“ des Wiener Staatsballetts präsentiert drei wichtige stilbildende Choreographen des Londoner Royal Ballet aus drei Generationen. 

In der Reihenfolge des Abends:

Nummer eins: „Concerto“ auf Dmitri Schostakowitschs 2. Klavierkonzert, choreographiert von Kenneth MacMillan (1929 – 1992). Stark an die Musik gebundene hochelegante Neoklassik aus dem Jahr 1966, ein geschmackiger Cocktail, nicht zu süß, nicht bitter, dabei sehr, sehr spritzig. Für Olga Esina, Davide Dato, Nina Tonoli ein anspruchsvolles tänzerisches Feuerwerk, um sich bei ihren Rollendebüts voll ausleben zu können.

Programmpunkt Nr. zwei führt mehr in die Gegenwart: „Eden / Eden“, 2005 von Wayne McGregor (Jahrgang 1970) kreiert. Die Retortenmenschen sind nun da. Anonyme Körpermaschinen von heute. Quirlige, total virtuose Tanzautomaten, die mit viel Bewegungsphantasie überlang zu stereotyper Untermalung durch hämmernden Computersound von Steve Reich und auch Wortfetzen, auf Dauer kein Vergnügen, ihre diversen Liebes- oder Überlebensspiele austragen müssen.

Nummer drei des Abends: Frederick Ashton (1904 – 1988) choreographierte für Rudolf Nureyew und Margot Fonteyn 1963 „Marguerite And Armand“ auf Franz Liszts orchestrierte h-Moll-Klaviersonate. Damals der ganz große Hit, wirkt diese Kameliendame in Kurzfassung in ihrer nachempfundenen romantisierenden Ästhetik heute keineswegs mehr als ein die Nerven treffender Reißer. Funktioniert aber durch die elegante Darstellung, die berührende Hingabe der beiden Protagonisten Liudmila Konovalova und Jakob Feyferlik. Mit mit dem eher kühlen Valery Ovsyanikov am Pult: Diese Brexit-Mixtur spiegelt das auf und ab in der Ballett-Historie eines halben Jahrhunderts.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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