Wiener Staatsoper: „JEWELS“– klassisch und so richtig edel (29.1.2026)

Foto: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett
Balanchine = nun, beinahe jede seiner Ballettkreationen ist ein Juwel. „Jewels“ heißt es nun für sieben Aufführungen in der Wiener Staatsoper. Das choreographische Schaffen von George Balanchine (geboren 1904 in St.Petersburg – 1983 New York) ist durch die Jahrzehnte vom Wiener Opernballett immer wieder gut dokumentiert worden. Sein 1967 mit dem von ihm geleiteten New York City Ballet erarbeiteter Dreiteiler „Jewels“ wurde unter Manuel Legris 2019 in Wien erfolgreich einstudiert, und auch die Wiederaufnahme jetzt durch die neue Ballettleiterin Alessandra Ferri ist als ein schön zu erlebender Abend zu empfehlen.
Im klassischen Sinn. Balanchine ist einer der frühen Modernen gewesen. Genial in diesem Sinn sind etwa seine Interpretationen von Strawinskis „Apollon musagète“ oder Hindemiths „Die vier Temperamente“. Doch er ist aufgewachsen mit der großen russischen Balletttradition, und seine „Jewels“ sind eine Huldigung an diese. Mit einem Nachempfinden solch sensibler Ausdruckskunst mit vollem Gewicht auf Musikalität. Eine Auswahl gefühlvoller spätromantischer Piecen von Gabriel Fauré geben in „Emeralds“, Teil eins, Ton und Stimmung an. In „Rubies“ zu Igor Strawinski „Capriccio“ wird frech muntere Tanzartistik vorgeführt. Und in „Diamonds“ führt Peter Iljitsch Tschaikowskis dritte Symphonie in aller Harmonie gleichsam in die Welt des zaristischen Balletts zurück.

Antonio Casalino.Foto: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett
Wie zuvor steht nun wieder Paul Conelly den Musikern vor. Und voll überzeugt die frische Einstudierung mit großer Besetzung. Ausschließlich mit Rollendebüts. Dabei wird das Publikum mit den frisch nach Wien geholten SolistInnen, alle Könner, mit Namen wie Laura Fernandez Gromova, Phoebe Liggins, Milda Luckuté, António Casalinho, Victor Caixeta, Kentaro Mitsumori, Giorgio Faurés und, und … zum Erkennen ihrer Individualitäten und Stärken noch einige Zeit benötigen.
Jedenfalls ein guter Beginn der Aufführungsserie. Edel mag sie zu empfinden sein, diese Süchtigkeit des Choreographen nach Harmonie.
Meinhard Rüdenauer

