Staatsoper / Staatsballett: „Giselle“ – ein Eintauchen in unvergängliche Romantik 26.4.2026

In dieser ersten Saison der nach Wien als Leiterin des Staatsballett geholten Alessandra Ferri ist mit „Giselle“ nur ein einziges der überkommenen romantischen Werke der Balletthistorie in das Repertoire aufgenommen worden. Das Verlangen in Wien nach solchen Werken besteht, doch auch 2026/27 wird diesbezüglich Schonkost betrieben: Bloß „Schwanensee“, von Rudolf Nurejew vor über einem halben Jahrhundert in der Staatsoper genial einstudiert und durch die vielen Jahre immer, immer wieder als Trumpfstück angesetzt, scheint im kommenden Spielplan auf.
Nun, auch diese ätherische „Giselle“ mit der die Psyche treffenden Musik von Adolphe Adam zählt zu den Genussstücken aus einem längst vergangenen Jahrhundert. In Choreographie und Inszenierung von Elena Tschernischova, damals 1993 Kurzzeitchefin in Wien, vermag dieses Ballettmärchen ein breites Publikum anzusprechen. Ferri hat das von ihr neu rein international zusammengesetzte Ensemble gut in den Griff bekommen, kann mit mehreren Besetzungen äußerst ansprechende Abende mit dem Eintauchen in unvergängliche Romantik anbieten. Namen für Giselle oder Herzog Albrecht wie Laura Fernandez Gromova und António Casalinho, Cassandra Trenary, Victor Caixeta muss man sich nun einprägen. Sie sind als perfekte Könner nicht hier gewachsen, sondern der Wunsch ist wohl gegeben vielleicht zu einem Wiener Publikumsliebling zu wachsen. Und da längst schon keine Österreicher mehr unter den Ballettdirigenten aufscheinen: Luciano Di Martino ist für die „Giselle“-Aufführungsserie dem Orchester als Helfer angeheuert worden. An dieser Frage schummeln sich die heimischen Kulturpolitiker wie Manager stets vorbei: Hat Österreich bereits seit längerer Zeit bei der Ausbildung von Musikern und Tänzern versagt?
Meinhard Rüdenauer

