Wiener Staatsoper, Ballettabend: „Die Fledermaus“ besonders quirlig – aber auf französische Art (Roland Petit 18.11.2025

Olga Esina, Davide Dato. Foto: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett
„Die Fledermaus“ steht auf dem Programmzettel. Ein flotter wie bunt gemischter Melodienstrauß an Straussischen Ohrwürmern erfreut die Zuseher. Doch nicht der feudale Gartensalon des Prinzen Orlofsky ist das Ziel für Nachtschwärmer, sondern …. gelandet ist hier der Fledermaus-Mensch Johann, seiner Partnerin Bella durch die Lüfte entflohen, im Pariser Maxim. Roland Petit, 1924 bis 2011, Pariser aus der Ära der großen Choreographen dieser Epoche, bekannt seinerzeit auch wegen seiner in Filmen tanzender Lebensgefährtin Zizi Jeanmaire, hat 1979 solch recht simples Geschichterl mit seinem Ballets de Marseille einstudiert. Einfach doch mit Witz erdacht und sehr, sehr spritzig. 2009 wurde diese getanzte quirlige „Fledermaus“ erstmal in der Staatsoper aufgeführt – und die Wiederaufnahme in einer adaptierten Fassung ist zu einem vollen Publikumserfolg geworden.

Timoor Afshar. Olga Esina. Foto: Ashley Taylor/Wiener Staatsballett
Die Cancan-Damen, die Csárdás-TänzerInnen, das Trio der Kellner, und, und …. Petit, selbst einige Jahre Eigentümer des Casino de Paris, zeigt sie alle in wirbeligem Gleichklang. Petit & der Walzerkönig: das passt. Auf französische Art eben. Und Petit hat seinen drei Protagonisten schon so einiges an besonders virtuosen Sprüngen und Pirouetten und Grotesken vorgeschrieben. Timoor Afshar, der dezent fledermausische Johann und sein Gegenspieler Davide Dato mit skurriler Zeichnung beweisen sich als perfekte Virtuosen, als wahre Springinkerln. Und die hochelegante Olga Esina, Dame Nummer eins im Ensemble, ist schon eine sich mit feinster Elegance präsentierende Bella. Mit Luciano Di Martino als der Koordinator im Orchestergraben – dieser Ausflug ins doch nun schon vergangene Paris kann ruhig eine längere Lebensdauer im Staatsopern-Repertoire vertragen.
Meinhard Rüdenauer
Weitere Termine: 21./24./27./28.11. 2025

