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WIEN/ Staatsoper: SOLISTENKONZERT MATTHIAS GOERNE


Matthias Goerne. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 

WIEN/ Staatsoper: SOLISTENKONZERT   MATTHIAS GOERNE am 19.4.2018

Viel Zivilcourage zeigte der Künstler gleich zu Beginn seines Programms. Trotz des Aufrufs, der immer vor der Vorstellung ertönt, man möge die Mobiltelefone abstellen und auf Fotografieren und Tonaufnahmen verzichten, nützt das nur ganz selten! Und schon hat man ein weißes grelles Licht störend in den Augen. Genau das passierte  im Soloprogramm des Künstlers Goerne.  Doch dieser lässt sich das nicht bieten und unterbricht nach den ersten Anfangstakten seine Interpretation des ersten Liedes und ersucht die Missetäter höflich, mit leiser Stimme aber sehr bestimmt, damit aufzuhören. Dafür bekam er viel Applaus. Bravo!

Der Bariton Matthias Goerne hatte einige Überraschungen in seinem Programm zu bieten. Die Liedauswahl bestand aus Werken von Hugo Wolf und Hans Pfitzner vor der Pause, Richard Wagner und Richard Strauss im zweiten Teil.


Seong-Jin Cho, Matthias Goerne, Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Begleitet wurde Matthias Goerne von dem jungen koreanischen Pianisten Seong-Jin Cho. 1994 in Seoul geboren, begann er als kleines Wunderkind und gab mit elf Jahren sein erstes öffentliches Konzert. Er gewann als Jugendlicher bereits sehr viele Preise, und sprang 2017 für Lang–Lang ein. Er spielt als gefragter Konzertpianist mit allen großen Orchestre der Kontinente und zeigt sich ebenso als hervorragender Liedbegleiter.  

Eröffnet wurde mit den „Drei Lieder nach Gedichten von Michelangelo Buonarotti“, deutscher Text von Walter Heinrich Robert–Tornow, in der Vertonung von Hugo Wolf.

Nach den bereits beschriebenen Anfangsstörungen konnte man sich über eine sehr schöne und äußerst wortdeutliche Umsetzung erfreuen. Die acht Lieder, die anschließend zu hören waren, stammten aus der Feder von Hans Pfitzner. (Ehrlich gesagt kannte ich von ihm nur „Palestrina“ und „Das Christelflein“). Gesungen wurden Vertonungen von Heinrich Heine, Richard Volkman, Detlev von Liliencron, Ilse von Stach-Lerner, Joseph von Eichendorff. Friedrich Lienhard und Karl Busse. Wie schon erwähnt, für mich völlig neues, aber interessante und starke Musik. Manchmal ließ sich auch etwas in der Klavierbegleitung hören, dass man in Richtung Palestrina weisen kann. Auch diese Lieder wurden mit viel Ausdruck und dennoch ruhig, nie mit übertriebener Gestik vorgetragen.

Nach der Pause war für mich eine Überraschung zu erleben. Die „Wesendonck Lieder“ Richard Wagners von einem Bariton zu erleben, ist wohl nicht so ganz üblich, aber nicht uninteressant. Besonders gut gefiel mir der Aufbau der  „Schmerzen“, da wurde dann der Vortrag doch etwas kraftvoller, aber nie überzogen. Hier zeigte sich der Wagnerinterpret, der wohl in allen Rollen dieses Repertoires voll überzeugen kann.

Der Block von Richard Strauss waren Vertonungen der Texte von Otto Julius Bierbaum, John Henry Mackay, Karl Friedrich Henckell und Joseph von Eichendorff. Hier war die Interpretation jedes Liedes so hervorragend, dass so mancher Besucher ein leises Klatschen in den Block nicht unterlassen konnte, speziell nach „Morgen“ und „Ruhe meine Seele „.

Nach dem letzten Lied „Im Abendrot“ war der Abend beendet, und das Publikum applaudierte freundlich und sprang für mein Gefühl etwas zu rasch auf, der Griff zu den elektronischen Geräten begann, ……….somit schade dass es keine Zugabe gab

Es war ein sehr schönes und zum Teil selten gehörtes Programm..               

Elena Habermann

 

 

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