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WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

06.03.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA am 5. 3.2012

Murphys Gesetz sagt zwar, dass „alles was schiefgehen kann,  auch schiefgeht“ – beim gestrigen „Simon Boccanegra“ wurde eindrucksvoll bewiesen, dass das Gegenteil auch wahr ist: Alles was man sich erhofft, geht auch in Erfüllung.

 Basis dieses denkwürdigen Opernabends war die einfache, fast spartanische Inszenierung von Peter Stein, die seit zehn Jahren das Erzählen der nicht unkomplizierten Geschichte ermöglicht und hervorragenden Singschauspielern die nötigen Freiräume für eine individuelle Rollengestaltung bietet. Die schönen, mittelalterlichen Kostüme und die gekonnte, stimmungsvolle Personenführung erleichtert das emotionale Abtauchen ins Genua des 14ten Jahrhunderts. Mittels ein paar Männern mit Fackeln und einer fast leeren, dunklen Bühne kann man  eine eindrucksvolle Stimmung erzeugen – wenn man kann.

Kräftig bis einfühlsam unterstützt wird diese Stimmung von einem wunderbaren Staatsopernorchester unter der Leitung von Paolo Carignani. Dieses Orchester kann von der harten, militärischen Imponierfanfare bis zum innigsten Gefühl jede Situation und jedes Gefühl vermitteln und hat diesmal ganz besonders mit dem Hörnerklang und den Holzbläsern (traumhafte Bassklarinette) begeistert.

 Vollends ins Schwärmen kommt man, wenn vier Weltstars in stimmlicher Höchstform und in aussergewöhnlicher Spiellaune zueinander finden:

Dmitri Hvorostovsky ist ein Simon Boccanegra auf Augenhöhe mit seinen grossen Rollenvorgängern. Seine absolut stärksten Momente sind die gefühlvollen Passagen – das Werben um Liebe und Frieden geht unter die Haut. Dass in der Sterbeszene (beim letzen Wort) die Stimme bricht ist aber auch für einen technisch so hervorragenden Sänger nicht planbar sondern – nach unserer Meinung – ein dramaturgischer Zufall (Glücksfall). Ob wir recht haben, werden die Folgeaufführungen zeigen.

 Der absolute Höhepunkt des Abends war die Gestaltung des Fiesco durch Ferruccio Furlanetto. Die Klangschönheit, die technische Brillianz und die berührende Wärme dieses grossen Basses begeistert. Bravo und danke!

 Als dritter der männlichen Weltstars des Abends konnte Francesco Meli als Gabriele Adorno die sehr hohen Erwartungen – im Gegensatz zum Percy in Anna Bolena der vorigen Saison –  voll erfüllen. Diesmal im Vollbesitz seiner stimmlichen Kräfte, konnte er alle seine Vorzüge – technisch perfekte Stimmführung vom gehauchten Piano bis zu den dramatischen Ausbrüchen, strahlende Höhensicherheit und Italianitá – eindrucksvoll ausspielen und die Versprechen, die er 2008 als Ferrando in der „Cosi“ gegeben hat, bestätigen.

 Als weiblicher Stargast war Marina Poplavskaya als Amelia aufgeboten. Der Gesamteindruck lässt sich am besten mit dem Begriff „imposant“ beschreiben. Eine Riesen-Stimme, technisch hervorragend beherrscht von piano bis „fff“, von mezzo bis in höchste Höhen – ganz oben im forte vielleicht etwas scharf (weiss nicht, ob das weicher überhaupt möglich ist) aber – als wohltuender Gegensatz zu einigen Sopranistinnen der letzten Tage – absolut kein störendes Vibrato. Eine Super-Amelia!

 Eine zusätzliche Freude des Abends war, dass die Herren des Ensembles im Rahmen der Möglichkeiten der kleineren Rollen die gewohnt guten Leistungen erbrachten. Marco Caria sang den Paolo selbstbewusst, mächtig und souverän, Dan Paul Dumitrescu war als Pietro wieder einmal ein „Ohrenschmaus“.

 Oper – auf diesem Niveau dargeboten – macht glücklich. Das war auch die vorherrschende Stimmung der kurzen Gesprächen beim Nachhausegehen.

 Maria und Johann Jahnas

 

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