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WIEN/ Staatsoper: SIMON BOCCANEGRA

12.11.2012 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: „SIMON BOCCANEGRA“ am 11.11.2012

Placido Domingo ist ein ganz eigenes Phänomen mit einer Stimme, deren Qualität Jahrzehnte lang makellos erhalten blieb. Auf dem Besetzungszettel ist zu lesen, dass er 134 Rollen einstudierte. Manche Stars begnügen sich mit weniger als 20 ihr ganzes Künstlerleben lang. Natürlich ist er den jugendlichen Liebhaberrollen entwachsen und singt zumeist Väter. Immer schon besaß er ein dunkles Timbre und er hatte er eine gute Tiefe. Darum kann er nun manche Baritonrollen in erstklassiger Qualität singen. Auch der Simon Boccanegra verlangt keine besonders tiefen Töne und die verlangten Höhen hat er sowieso. Seine grandiose Darstellungskunst, sein Alter und die Lebenserfahrung prädestinieren in geradezu für die Rolle des Dogen. Die vielen Jahre auf den Bühnen dieser Welt konnten seiner Stimme nichts anhaben, dazu kommt noch sein Timbre, welches in einer solchen Rolle zu Herzen geht. Man kann eigentlich keine Nummer der Partitur hervorheben, weil seine Leistung vom ersten bis zum letzten Ton unvergleichlich war. Wahrlich eine Ausnahmeerscheinung!

Als seine Tochter Amelia begann Barbara Haveman etwas unausgeglichen. Sie sang sich aber bald ein und ab der Wiedererkennungsszene war sie ausgezeichnet. Sie hat ein helles, lichtes ansprechendes Timbre und sie kann Jubel und Freude stimmlich ausdrücken. Ramón Vargas als ihr geliebter Adorno hatte einen vorzüglichen Abend. Mit seiner lyrischen Stimme sang er seine Rolle besonders schön. Ein auch stimmlich überzeugendes Liebespaar, war zu erleben.

Als rachsüchtige Fiesco, dessen Hass sich erst beim Tod Boccanegras löste, ist Ain Anger ein durchaus gut herzeigbares (ehemaliges?) Ensemblemitglied des Hauses (Informationen zufolge soll er bereits seit einiger Zeit freischaffend unterwegs sein). Für diese Rolle ist er noch jung, aber das gibt sich mit den Jahren des Älterwerdens. Dass Eijiro Kai in der letzten Zeit auffällig gut geworden ist, war bereits mehrmals zu erleben. Bei der erzwungen Selbstverfluchung als Paolo erschauert man unwillkürlich. Auch Sorin Coliban/Pietro, Marian Talaba/Hauptmann und Lydia Rathkolb trugen ihren Teil zum Erfolg des Abends bei.

Ganz großer Jubel, war das „natürliche“ Finale eines Abends, der im Gedächtnis bleiben wird!

Martin Robert BOTZ

 

 

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