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WIEN/ Staatsoper: SIEGFRIED. Selige Höhen – bisweilen oktaviert

Wiener Staatsoper: Siegfried 10.6.2026. Selige Höhen, bisweilen oktaviert

Siegfried (opéra) — Wikipédia
Foto aus Wikipedia

Vorweg: Es gibt keinen Zweifel daran, dass Andreas Schager der Siegfried unserer Tage ist, das hat er im Vorjahr und nun in der ersten Serie bewiesen. An diesem Abend war er es darstellerisch – wieviel Spiellust, wieviel Draufgängertum, wieviel Herz da doch zu bewundern sind. Aber auch der Unzerstörbare kann einmal Stimmprobleme haben. Soll man darauf herumreiten? Eher nicht, denn Grane schläft noch bis in den dritten Aufzug. Und letztlich ist es auch bewundernswert, wie Schager die Rolle trotzdem über alle drei Akte bringt – wahrscheinlich besser als die meisten anderen Siegfriede bei guter Disposition.

Es gibt auch keinen Zweifel daran, dass die Brünnhildenpartie im Siegfried nicht der Gipfel des hochdramatischen Fachs ist und oft von Sängerinnen angegangen wird, deren Kernrepertoire Sieglinde und Chrysothemis ausmachen. So gesehen konnte man sich auch schon vorweg sicher sein, dass sie Camilla Nylund gut in der Kehle liegen wird und so war es denn auch beim Wiener Rollendebüt, freilich mit mehr Anteilnahme gesungen als gespielt.

Bei den weniger zentralen Rollen wurden fast alle ebenfalls erst zum zweiten Mal in Wien präsentiert, ausgenommen Gerhard Siegel, dessen Mime die ideale Mischung aus Weinerlichkeit und Bosheit bietet, allenfalls etwas deutlicher artikulieren könnte, aber eine besonders gute Ergänzung zu Schagers Siegfried (und zu Nigl im „Kavaliersduett“) ist. Ob man in einem Haus mit Laurenz, Schneider, Schmidlechner und allenfalls Ebenstein unbedingt einen Gast für Mime braucht, kann man diskutieren, aber Siegel ist jedenfalls ein gern gesehener und gehörter Gast.

Großartig wie erwartet gestaltet Michael Volle wie schon die beiden Wotane, nun auch den Wanderer. Was für ein strömender Bariton, was für eine Rollengestaltung! Die überlegene Ironie gegen Mime, die umwerfende Szene mit Alberich, in der dessen Giftigkeiten am Gott abperlen, die finale Auseinandersetzung mit Erda (wie oft ist das eine Pflichtübung und stimmliche Prüfung, hier dagegen eine wesentliche Komponente des Ausstiegs Wotans aus dem Geschehen), das fast bis zum Ende erfolgreiche Bemühen um Abgeklärtheit, bis zum letzten – für Wotan fatalen – Wutausbruch gegen Siegfried: Es reicht lange zurück, ein so erfülltes Portrait miterlebt zu haben. Anteil daran ist auch den Antagonisten zuzuerkennen: Georg Nigls verzweifelt giftenden Alberich mit einer schier unendlichen Ausdruckspalette und Wiebke Lehmkuhls blendend gesungener Erda. Bleiben zu erwähnen der hübsche, nicht riesige Sopran von Florina Ilie (Waldvogel) und der riesige, nicht hübsche Bass von Matheus Franca (Fafner).

Das Beste zum Schluss (über Inszenierung und Ausstattung kann man bei einer Dernière auch schweigen): Pablo Heras-Casado macht es möglich, ungehörte Nuancen, neue Farben, originelle Tempi in einem Stück zu entdecken, das man sehr gut zu kennen glaubt, und ein Orchester, das den Ring oft und gern spielt, zu einer noch größeren Spitzenleistung zu animieren. Man möchte neben Manuel Hubers Hornrufen nahezu alle andere Orchestermitglieder hervorheben und muss doch eine Pauschalhymne genügen lassen. Das Scherzo der Tetralogie ist so – trotz der Probleme des Titelhelden – zu einem Höhepunkt geworden. Sonntag folgt der Abschluss nicht nur einer Aufführung der Tetralogie, sondern einer Produktion als Ganzes.

Robert Fucik

 

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