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WIEN/ Staatsoper: ROMEO UND JULIA – Ballett-

03.11.2012 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

WIEN/STAATSOPER: ROMEO UND JULIA Ballett am 2.11.2012 (Georg Freund)

Prokofjews Interpretation von Shakespeares „Romeo und Julia“ , die sich in der Handlungsführung eng an das Theaterstück hält, zählt zu den bedeutendsten künstlerischen Gestaltungen dieses Stoffes, vor allem in der kongenialen Choreographie von John Cranko, die auf unnachahmliche Weise die Ausdrucksformen des klassischen Balletts mit Ausdruckstanz verbindet. Das Bühnenbild gibt die Atmosphäre Veronas bestens wieder, die Beleuchtung funktionierte tadellos und die schönen historischen Kostüme erfreuen stets das Auge. Die 161.Aufführung dieses Balletts wirkte bei dieser Wiederaufnahme in keinem Augenblick museal oder verstaubt. Das Haus war ausverkauft und man sah sogar Leute mit dem Schild „Suche Karte“.

Unter den Solisten ragte vor allem Mihail Sosnovschi als wahrhaft feuriger Romeo hervor. Endlich einmal ein junger, nicht überreifer Vertreter dieser schwierigen Rolle, der auch über bedeutende schauspielerische Fähigkeiten verfügt und nicht wie viele seiner Kollegen das stereotype Ballerino-Lächeln auch bei den unpassendsten Gelegenheiten zur Schau trägt. Besonders eindrucksvoll seine Darstellung der Erschütterung bei Mercutios und Tybalts Tod, dazu Fechtkünste, wie man sie auf der Bühne selten zu Gesicht bekommt. Tiefe Emotion verbunden mit blitzsauberer Technik, sehr kraftvolle Sprünge und ein der Rolle völlig entsprechendes Aussehen ergaben packendes Tanztheater in Vollendung- eine zu Recht bejubelte Leistung. Leider reichte Julia in Gestalt von Irina Tsymbal technisch , trotz aller Unterstützung durch Sosnovschi in den pas de deux, nicht an ihren Romeo heran. Reizend anzusehen war sie ja, aber es fehlte ihr an Leidenschaft und Bühnenpräsenz. Immerhin bot sie eine annehmbare Leistung und sie stellte vor allem Julias Verzweiflung in ihrem Solo bei der Einnahme des Schlaftrunkes recht gut dar.

Ganz hervorragend war Eno Peci , der mit seiner mächtigen Statur einen wahrhaft furchteinflößenden Tybalt verkörperte- auch er ein glänzender Fechter. Sehr gut gefiel mir Dagmar Kronberger als Gräfin Capulet: Ergreifend ihre Pantomime an Tybalts Leiche. Unter den übrigen Mitwirkenden ragte Ketevan Papava als Zigeunerin hervor. Christoph Wenzel war ein würdevoller Pater Lorenzo. Aus den Rollen des Mercutio und Benvolio, die keineswegs undankbar sind, kann man wesentlich mehr herausholen als dies Richard Szabo und Alexandru Tcacenco gelang. Schlecht waren sie aber keineswegs. Merkwürdig unbeteiligt und unfertig wirkte Greig Matthews als sehr ungräflicher Graf Paris. Er muss sogar noch das Schreiten auf der Bühne lernen.

Das Substitutenorchester mühte sich unter der Leitung von Guillermo Garcia Calvo mit der intrikaten Rhythmik der Partitur redlich ab.

Am Schluss reicher Beifall und viele Blumensträuße. Sosnovschi überreichte alle, auch die wohl für ihn bestimmten Blumen, mit artiger Kniebeuge seiner Partnerin, wofür er Extraapplaus erhielt.

Georg Freund

 

 

 

 

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