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WIEN/ Staatsoper: ROMÉO ET JULIETTE

22.06.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: ROMÉO ET JULIETTE am 22.6.2013

Sonya Yoncheva. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

 Placido Domingo am Pult der Wiener Staatsoper – das verspricht einen interessanten Abend, denn der Meister kennt jede Partitur wie seine Westentasche und kann aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Sänger schöpfen. Seine Gestik ist lebhaft, anders als zu Beginn seiner Dirigentenlaufbahn hatte man nicht mehr das Gefühl, er wolle alle Partien am liebsten selber singen. Man merkt deutlich, wenn sein Tenorkollege Piotr Beczala heikle Passagen zu meistern hatte, wie er mitfühlte, mitdachte und jederzeit Hilfe parat hatte, falls es eng geworden wäre. Das wurde es nur selten, denn Beczala ist ein idealer Romeo, jugendlich frisch, stimmlich ausgeruht und auch in den oberen Regionen fast ohne Makel.

An seiner Seite debütierte Sonya Yoncheva als Juliette. Sie überraschte mit forschem Auftreten, glasklaren Spitzentönen und einem beachtlichen Stimmvolumen. Gelegentlich klang ihre Stimme hart, sie schaffte aber immer nahtlos den Übergang zu lyrischen Momenten. Man darf von ihr noch einige weitere Überraschungen erwarten, sofern sie ihre Stimme nicht überfordert. Das übrige Ensemble fiel weder durch Glanzleistungen noch durch Abstürze auf, sehr solide sangen Dan Paul Dumitrescu den Frere Laurent und Juliette Mars den Stephano.

An Patrick Woodroffes Lichtarchitektur hat man sich inzwischen gewöhnt, die leere Bühne wirkt nicht mehr ganz so lähmend wie bei der Premiere vor einigen Jahren. Von Jürgen Flimms Regiekonzept ist kaum noch etwas zu bemerken, die Akteure wissen zumeist wo es lang geht. Das Orchester hatte einen sehr guten Tag und folgte den Intentionen Domingos fast bedingungslos. Auch der Chor wirkte sehr konzentriert und schaffte viele Einsätze fehlerlos. Ein außergewöhnlich guter Opernabend, wie man ihn sich öfters wünscht.

 Johannes Marksteier

 

 

 

 

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