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WIEN / Staatsoper: RICHARD WAGNER UND DIE WIENER OPER

05.05.2013 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIENER STAATSOPER:
Ausstellung „Richard Wagner und die Wiener Oper“

Auf die 80. Premiere zugehend…

 Wer in der Wiener Staatsoper seine Sitze im Parkett anstrebt, wird seit einiger Zeit mit einer Menge spektakulärer Schlagworte konfrontiert, die von „einfach gigantisch“ bis „Sitzfleischschmerzschürer“ reichen. Da kann es natürlich nur um Richard Wagner gehen, und das sind Assoziationen, die Lang & Lang (die unverzichtbaren Brüder Lang der Staatsoper, nicht zu verwechseln mit Lang Lang, so gut spielen sie vielleicht nicht Klavier, dafür können sie anderes) zu dem Thema eingeholt haben. Damit wuchert die Ausstellung „Richard Wagner und die Wiener Oper“, die auch von einer eindrucksvollen Broschüre begleitet wird, nicht nur in den Pausenräumen, sondern bis fast in den Zuschauerraum…

Von Renate Wagner

Statistik wird groß geschrieben, im Jahr 2013, da sich Richard Wagners Geburtstag zum 200. Male jährt. In seinem Geburtsmonat Mai wird die Wiener Staatsoper mit „Tristan und Isolde“ die 80. Wagner-Premiere ihrer Geschichte bieten. Wie sehr Wagner gerade in dieser Stadt angegriffen wurde, hat man kürzlich in der Nationalbibliothek gesehen (und auch das Jüdische Museum plant eine Ausstellung), und Wagner selbst – der 1875 hier „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ inszenierte, „Lohengrin“ dirigierte er auch – fand sich in mancher Karikatur gezaust.

Aber die Wiener Oper selbst, ob als Hofoper, ob als Staatsoper war (und ist) ein Hort der Wagnerianer aller Spielarten – eine Donizetti-Oper ohne Stars lockt kaum Publikum auf die Stehplätze, ein „Holländer“ füllt auch noch den letzten „Käfig“ auf der Galerie mit eindeutigen Fans. Zumindest bis Saisonende zeigt man nun, was die Gestalter zu Wagner an der Wiener Oper an Historischem zusammen getragen haben, und natürlich stehen die Köpfe von Gustav Mahler, Karl Böhm und Karajan mitten drin, denn sie haben bekanntlich Großes für ihn geleistet.

   

An Devotionalien kann man so manches fast gerührt genießen – ein uraltes Brünnhilden-Schild der Hofoper aus dem Jahre 1877 und ein Parsifal-Kostüm, das Placido Domingo ebenso getragen hat wie Jess Thomas und James King, Rene Kollo und Peter Hofmann und andere mehr, was im Wagner-Fach gut und teuer war. Dokumente zeigen Theaterzettel, Partituren, uralte Verzeichnisse von Einnahmen oder Besetzungslisten – alles noch handschriftlich.

 

Besonders fündig wurde man bei Rückblicken in die Ära Mahler zu den großartigen Roller-Ausstattungen, aber man kann auch kühn hingeworfene Schneider-Siemssen-Entwürfe genießen. Viele Szenenfotos von Wagner-Aufführungen einst und heute werden zum Nostalgie-Trip, so weit eben die eigene Erinnerung reicht. Ein bisschen bunt durcheinander scheinen die Rollenbilder der Künstler an den Wänden zu hängen, und wer es da ganz genau wissen will, muss schon den dazugehörigen Katalog erwerben.

 

Da hat man dann auch die Fakten, Fakten, Fakten zu dem, was man in den Pausenräumen der Staatsoper gewissermaßen impressionistisch erlebt: Alles Wagner – oder was? Eben.

 

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