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WIEN/ Staatsoper: NABUCCO

26.01.2013 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 24.1.2013:  „NABUCCO“

 Gar viele Worte sind für diese Vorstellung nicht zu verlieren, ganz nach dem Motto der altbekannten Zitaten-Weisheit „ein saures Amt und heute allzumal“. Zuerst das Positive im Ganzen – Dirigent Jesús López-Cobos hatte am Vormittag um 11,30 Uhr die Cenerentola-Generalprobe dirigiert mit überschäumendem Brio, das durchwegs im Rossini-Taumel des ausgesprochen animierend spielendem Orchester mündete. Abends hatte der Maestro laut Spielplan noch dazu die Aufgabe die letzte der drei Nabucco-Abendvorstellungen über die Runden zu bringen, was ihm reibungslos gelang, doch wegen einer mediokren Besetzung von zwei der vier Rollen-Debutanten in der ganzen Serie zum Kunststück mutierte.

Die Titelrolle war dem polnischen Baßbariton Andrzej Dobber (RD) anvertraut, er berührte mich wenig, war weder in Stimme überragend noch als Figur glaubhaft. Opernfreunde wissen es, die Abigaille ist eine hybride Schreckenspartie jedes dramatischen Soprans, doch was die Sängerin (Elisabete Matos, RD)) aus Portugal ablieferte, war mehr als der gewöhnliche Schrecken. Wer auch immer dieses Engagement eingefädelt hatte, diese Dame in derartiger Abendform kann nur mit einer Förderung in einer Art Erasmus-Austausch-Programm der EU an das Haus am Ring gekommen sein und sei künftighin entbehrlich. Hingegen interpretierte Michele Pertusi (RD) einen sehr würdigen bassalen Zaccaria und mit der Fenena hat sich das Ensemble-Mitglied Monika Bohinec (RD) nun erfreulich in den Vordergrund gesungen. Marian Talaba, nach wie vor unter den häufigen Sängern des Ismaele, sagte nur eine Vorstellung der Dreier-Serie ab, weil er kollegial Neil Shicoff als Hermann ersetzen mußte. Der mit dem Zusatzchor stets mengenmäßig aufgefüllte Staatsopern-Chor war auf der Höhe seiner Aufgabe und machte geduldig mit, was ihm die Regie einst vorgeschrieben hatte. Mit der umstrittenen Günther-Krämer-Inszenierung von 2001 kann sich anfreunden, wer will, ich nehme mich da aus.

 Durch die falsche Zeitangabe von 20 h auf dem aktuellen Jänner-Monats-Folder der Staatsoper für diese Vorstellung ist es zu empfindlichen Störungen im Zuschauerraum gekommen. Seit Jahren weiß man es, die Wiener Philharmoniker musizieren an eben diesem Abend ihres Philharmoniker-Balles dort wie da – sie spielen hier im Haus ebenso Oper wie im nahen Musikverein zur Eröffnung. Wie es dann passieren konnte, einfach sehr viel früher, d.h. bereits um 19 h mit der Staatsopern-Vorstellung zu beginnen – und diesen so verfrühten Beginn nur in den Tageszeitungen zu veröffentlichen! – und damit sind ganze Heerscharen des Publikums sehr verspätet im Opernhaus eingetrudelt – haben die dafür Verantwortlichen zu tragen. – Mehr als ein Ärgernis, ein Organisationsfehler sondergleichen…!

Norbert A. Weinberger

 PS.: Antwort des Pressebüros der Wiener Staatsoper: Die Beginnzeitänderung wurde auf allen möglichen Kanälen mitgeteilt: Prolog, Homepage, Newsletter, Kunden angeschrieben, die nachweislich für die Vorstellung Karten hatten etc. Natürlich ist das Ganze unangenehm – aber wenn Sie schauen, wie viele Vorstellungen wir spielen, und wie wenig „passiert“ – so eine Kollision/Beginnzeitänderung kann vorkommen.

Wo gearbeitet wird, fallen Späne. Tut uns leid und bitte um Verständnis.

 

 

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