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WIEN / Staatsoper: MANON

18.09.2014 | Oper

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Foto: Wiener Staatsoper, Pöhn

WIEN / Staatsoper: 
MANON von Jules Massenet
17. September 2014 
33. Aufführung in dieser Inszenierung

Zumindest vom Besetzungszettel her war es eine sehr französische Manon – der Dirigent, die Hauptdarstellerin und der einspringende Tenor. Was kann ein (französischer) Direktor für Massenet mehr tun?

Die Wiener Staatsoper und Patricia Petibon haben keine große gemeinsame Geschichte. Im Jahr 2000 sang sie ein paar Male die Olympia, 2006 die Sophie, die wahrlich nicht ihre Rolle ist. Österreichischen Opernfreunden prägte sie sich dennoch 2010 als Lulu bei den Salzburger Festspielen und (neben anderen Rollen im Theater an der Wien) vor allem 2011 als Blanche im „Dialog der Karmeliterinnen“ ebendort ein. Es war Zeit, sie an der Staatsoper entsprechend vorzustellen – was allerdings vor allem den Stehplatz so gut wie überhaupt nicht interessierte. So gähnend leer war er auf der Galerie schon lange nicht.

Patricia Petibon, das ist rein äußerlich betrachtet die reizvolle Rothaarige mit der quirligen Persönlichkeit. Ihre Manon kommt nicht als schüchternes Mädchen auf die Bühne, die muss von Paris nicht verdorben werden, sie ist es schon. Sie passt in die Halbwelt, und höchstens angesichts der Liebe, die dieser Chevalier Des Grieux (dem sie sehr entgegen kommt) für sie empfindet, wird sie ein wenig sentimental. Unerwarteterweise spielt die Petibon die Sex-Karte (weder im 2. noch im 5. Bild) keinesfalls so deutlich aus wie die Netrebko es getan hat, aber schon, wenn sie sich Des Grieux aus dem Kloster zu sich „zurückholt“, meint man zu merken, dass da mehr Berechnung als Liebe dahinter steckt. Das lange, lange Sterben, das Massenet der Manon auferlegt, spielt sie so wirkungsvoll aus wie jede Sängerin, die auch eine begabte Schauspielerin ist.

Daran lag es nicht, wenn man mit dieser Manon dennoch nicht ganz glücklich wurde. Gut für Patricia Petibon, dass die Tessitura der Rolle sehr hoch liegt, denn in der Mittellage ist wenig, ab der hohen Mittellage fühlt sie sich wohler. Dennoch hört sich die Stimme (obwohl sie nach offiziellen Angaben noch nicht einmal Mitte 40 ist) abgenützt an, hat Löcher, manche Höhen werden nur mit Aufbietung aller Kräfte herausgeschrieen. Kurz, so klingt keine Sängerin, die sich in einer Rolle wirklich wohl fühlt – vielmehr war sehr viel Anstrengung zu hören.

Weit besser wirkte ihr Des Grieux, der derzeit auf der Erfolgsschiene zu fahren scheint. Nicht nur in Wien ist er eingesprungen (für den vorgesehenen, aber erkrankten Benjamin Bruns), er hat heuer im Frühjahr schon mit großem Erfolg Jonas Kaufmann als Werther an der „Met“ ersetzt: Kurz, es hat sich gelohnt, Jean-Francois Borras (der den Grazern vermutlich sehr vertraut ist) auch einmal nach Wien zu holen. Er ist ein wahrer Piano-Künstler, was er bei jeder sich bietenden Gelegenheit als überzeugendes Atout ausspielte, aber auch die Spitzentöne strahlten, die Stimme floß im französischen Melos glanzvoll dahin, und man fragt sich, ob er im italienischen Fach auch so gut ist. Jedenfalls eine lohnende Bekanntschaft.

Markus Eiche gab den Lescaut als wirklich üblen Zuhälter und mit sehr schönem Bariton, Dan Paul Dumitrescu war ein Père Noble wie er im Buche steht. Weiters in Nebenrollen Thomas Ebenstein und Clemens Unterreiner sowie die Damen Hila Fahima, Stephanie Houtzeel und Juliette Mars.

Frédéric Chaslin nahm seinen Landsmann Massenet kraftvoll in die Hände (manchmal fast zu rücksichtslos laut für die Sänger), betonte das dramatische Element und ließ keinerlei Schmalz aufkommen. Es tut französischen Opern gut, wenn man sie klanglich nicht „parfumiert“.

Renate Wagner

 

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