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WIEN / Staatsoper: L’ELISIR D’AMORE

24.09.2019 | KRITIKEN, Oper


Maria Nazarova  (Fotos: Wiener Staatsoper / Pöhn)

WIEN / Staatsoper:
L’ELISIR D’AMORE von Gaetano Donizetti
252. Aufführung in dieser Inszenierung
24. September 2019

Wenn man ein Tourist wäre und in die Wiener Staatsoper kommt… immerhin eines der berühmtesten Häuser der Welt. Und als Opernfreund wüsste man auch, dass hier die größten Sänger aufgetreten sind, auch im „Liebestrank“ (gerade dort auch…). Was sieht man dann?

Man sieht, zugegeben, eine zauberhafte Adina. Maria Nazarova war in den letzten drei Jahren als Ensemblemitglied ungemein fleißig, sang kleine Rolle auf und ab, wenige größere (Adele, Musetta, Oscar, Despina). Sie hat sich ihre Adina-Chance verdient und genützt, wenn sie auch noch die klare, bewegliche Stimme einer Soubrette hat. Aber der Fachwechsel klopft an. Und ihre Persönlichkeit und Bühnenpräsenz sind bestrickend: Diese junge Frau weiß ganz genau, was sie tut, wie sie auf ihre Umwelt reagiert, welche Gefühle sie vermittelt. Da steht schon eine wirklich souveräne Sängerin auf der Bühne.

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Paolo Rumetz und Anna-Maria Birnbauer

Souverän ist ein Hilfsausdruck für Paolo Rumetz und seine Präsenz als Doktor Dulcamara. Sagen wir es ehrlich, bis zu seinem Auftritt schleppte sich der Abend eher müde, alles, was man über Dirigent Jonathan Darlington an Positivem vernommen hat, war diesmal nicht zu merken und zu hören. Wenn dieser „Elisir“ funktionierte, dann dank Donizettis. Und des Humors, den Rumetz (sehr gut bei Stimme) versprühte.

Aber sonst? Da standen zwei junge Männer auf der Bühne, die wirklich putzig waren –  wie junge Hunde, so sehr freuten sie sich, dass sie da singen und spielen durften. Aber wie? Ein Nemorino (Pavel Petrov), dessen Stimme noch in der Nase zu sitzen scheint – hoffentlich rutscht sie einmal in die Kehle und dann in die Brust, wo sie herkommen möge, wenn sie ordentlich (und nicht dermaßen gequetscht) klingen soll. Und der Belcore (Samuel Hasselhorn)? Ein gänzlich ungeschliffener Bariton, ob da ein Edelstein daraus wird, wenn einmal Stimmführung geboten wird statt Holterdipolter, das will man nicht prophezeien. Die beiden jungen Herren mögen in der Provinz, wo sie hingehören, schon die eine oder andere große Rolle gesungen haben – die Wiener Staatsoper ist kein Ort für Nachwuchspflege.

Nun kann man einwenden: Das Haus war voll, das Publikum erlag dem Werk und klatschte zwar kurz, aber heftig. Also – alles paletti? Nein. So tief darf man sich die Latte nicht legen. Das ist die Wiener Staatsoper.

Renate Wagner

 

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