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WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO

27.12.2011 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper: „LE NOZZE DI FIGARO“ . ERFREULICHE WIEDERAUFNAHME MIT JUNGEM ENSEMBLE (26.12.2011)

Im Publikum jede Menge Touristen und Empfänger von  Senioren-Geschenks-Gutscheinen –immerhin lädt die Beginn-Zeit 16 Uhr zum Familien-Kulturgenuss samt  anschließenden Heurigenbesuch ein. Und dann erlebt man eine  schwungvolle, vielversprechende Mozart-Wiederaufnahme, in der es  immerhin 5 Rollendebüts gab. Von  träger Feiertags-Behäbigkeit also keine Spur, sondern eine Visitenkarte der neuen Direktion, die mit der Figaro-Premiere  unter Franz Welser –Möst einiges an  herber Kritik einstecken musste.

Diesmal steht Adam Fischer am Pult des Staatsopern-Orchesters und betont die Nähe von Mozart zu Haydn: schwungvoll, transparent und improvisierend – die Proben können zu den Feiertagen nur minimal gewesen sein. Aber das  individuelle  „Aufbau-Training“ durch die neue Studienleiterin  Kathleen Kelly, die am Hammerklavier  auch während der Vorstellung die Rezitative „betreut“,  greift.  Und so kann man zwei hochtaltentierte Sänger als Figaro und  Susanna erleben, die ihre  beiden Rollen hoffentlich noch oft im Haus am Ring verkörpern werden. Adam Plachetka, der noch in Salzburg als Gärtner auftrat, hat nach dem  Don Giovanni eine weitere Mozart-Traumpartie übernommen. Diesmal gibt es ab er keine offenen Wünsche. Der  neue Figaro ist sympathisch, etwas rebellisch und zugleich „erdverbunden“ – er muss nie forcieren und hat auch mit den Tücken der Partie  etwa bei den beiden Arien im 1.Akt keine Probleme . Der Prager Bass-Bariton ist jedenfalls ein „Asset“im  Ensemble von Dominique Meyer.

Großartig auch die erste Susanna von Anita Hartig : liebreizend, musikalisch und durch und durch  erotisch – die Rosenarie  wurde so ein Höhepunkt der Vorstellung. Viel besser als bei der Premiere der neue Cherubino: Rachel Frenkel (Studium in Tel Aviv) ist mit einem angenehmen Mezzo ausgestattet und bringt mit ihren Charme-Attacken das Stück erst in Schwung. Denn nur, wenn Cherubin ein kleiner Gott Amor ist, versteht man, weshalb ein ganz normaler Tag zum „Tollen Tag“ ausufert.

Neu auch die Gräfin der deutschen Sopranistin Christina Carvin – sie hat mit der neuen Rolle  – noch – Schwierigkeiten (etwa in der ersten Arie) – aber die große Arie im 3.Akt und das Briefduett – und vor allem das Finale machen sie schon jetzt zu einer exzellenten Nozza-Rosina. Bleibt noch das 5. Rollendebüt der entzückenden Jeanine De Bique als Barbarina zu erwähnen. Die junge Dame erinnert im Spiel und Timbre an Reri Grist – und das ist doch viel!

Der Rest der Besetzung: Adrian Eröd als nobler und zugleich jugendlicher Graf, Donna Ellen als etwas zu mütterliche Marcellina, Benjamin Bruns als verklemmter Basilio, Benedikt Kobel als schrulliger Don Curzio , Sorin Coliban als eindrucksvoller Basilio und Marcus Pelz als verkommener Gärtner.

An die  Inszenierung von Jean-Louis Martinoy (Bühne Hans Schavernoch) beginnt man sich allmählich zu gewöhnen. Das Hauptmanko scheint mir die geringe akustische Unterstützung der Produktion  durch die fehlenden Kulissen zu sein. Aber das junge Nozze-Ensemble vom 2.Weihnachtsfeiertag kam auch damit zurecht. Und Mozart siegte  wieder einmal auf allen Linien.

Peter Dusek

 

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