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WIEN/ Staatsoper: LA FILLE DU RÉGIMENT

02.05.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Staatsoper: „LA FILLE DU RÉGIMENT“ am 1.5.2013

Dir. Holender wollte lange Zeit dieses Werk nicht an der Staatsoper aufführen. Als es dann doch geschah, war es einer der größten Erfolge seiner Direktion. Dennoch, nach einer einzigen Serie verschwand diese Oper in der Versenkung. Der neue Direktor nahm nun das Werk wieder in den Spielplan auf und wie es sich erweist sehr erfolgreich. Die „Fille“ gehört zu den schönsten Werken Donizettis. Es ist keine maskierte italienische Buffa, sondern wirklich eine französische „Opéra comique“. Der Komponist selber schuf zwar eine italienische Fassung für Scala, die aber nur mäßig erfolgreich war und kaum einmal aufgeführt wir, weil es eben eine französische „comique“ ist.

Der Dirigent Guillermo Garcia Calvo ging etwas unflexibel mit der Partitur um, das Orchester wirkte motiviert und spielfreudig, ebenso der Chor, von Martin Schebesta bestens einstudiert. Die Regie von Laurent Pelly war seinerzeit ganz auf die Dessay und Flórez ausgerichtet. Die jetzige Marie studierte ihre Rolle perfekt ein, ist aber ein ganz anderer Typ. Aber die Sache ging sehr gut über die Bühne.

Aleksandra Kurzak war die neue Marie, sie entzückte das Publikum durch ihr Spiel, ihre Komik und ganze Art und ganz besonders stimmlich. So bereits im 1. Akt im Duett mit Sulpice, durch die Arie „Un soir“ und das Duett mit Tonio. Sie besticht durch ein reizendes Timbre, geläufige Koloraturen, Treffsicherheit in den hohen Tönen, aber ebenso durch lyrische Qualitäten. Das Publikum war in jeder Hinsicht von ihr begeistert. Sie gehört zu den Sängern, die man wieder hören möchte. In der nächsten Saison ist sie als Traviata vorgesehen.

Für John Tessier war es das Hausdebüt. Sein Timbre hört sich gut an, seine Technik passt. Er besitzt eine ganz andere Art als Flórez. Die Spitzentöne in der Arie „Ah! mes amis“ singt er im französischen Gesangsstil, d. h. mit der voix-mixte. Er bekam starken, verdienten Beifall. Die melancholisch-wehmütige Arie des 2. Aktes „Pour me rapprocher“ lag ihm weniger. Insgesamt bestand er seine Aufgaben jedoch sehr gut.

Carlos Álvarez ist wieder „da“ und macht einen recht guten, erholten Eindruck. Die Rolle des brummigen Sulpice ist wie für ihn geschaffen und er hatte starken Erfolg. Köstlich gespielt war die Szene, wie er und die Marquise einander näherkommen. Hoffentlich wählt er in Zukunft Rollen, die seiner Stimme entsprechen. Aura Twarowska überzeugte als Marquise Berkenfield. Sie spielt die überdrehte adelige Dame und ist stimmlich sehr gut. Bei Kiri Te Kanawa als adelsstolze Duchesse de Crakentorp ist es natürlich eine Erinnerung an ihre große Zeit auf der Opernbühne. Marcus Pelz hat als Kammerdiener Hortensius das verschrobene Gehaben der Marquise überzeugend angenommen und ist eine Perle für sich. Kleinere Auftritte habe Konrad Huber/Korporal, Dritan Luca/Bauer und Francois Roesti der Notar. Zu erwähnen ist auch noch die Chorszene, in der geriatrische Adelige auftreten.

Für das Publikum war es ein ganz großer Erfolg mit lang anhaltendem Beifall, ganz viele Bravos gab es für Kurzak. Aber auch die restlichen Sänger ernteten große Zustimmung und Bravo-Rufe. Es war ein schöner Abend.

Wer sich für Donizettis italienische Fassung interessiert: er strich die Eingangsarie der Marquise und die elegisch-schwärmerische Arie „Pour me rapprocher“, dafür bekam Tonio eine buffa-artige Canzone im 1. Akt. Es gibt eine Aufnahme von 1975 aus dem Fenice mit Freni und Kraus.

Martin Robert BOTZ

 

 

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