Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: LA BOHÈME

30.10.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 29. 10. 2014:  „LA BOHEME“

DSC2246_Stoyanova-Popov
Krassimira Stoyanova, Dmytro Popov. Foto: Wiener Staatsoper/Barbara Zeininger

 410. Aufführung in der wunderbaren Zeffirelli Inszenierung, um beim Tagesthema zu landen. Um diesen Superwurf wäre tatsächlich schade, im Übrigen läuft diese immer noch unverändert an der Scala, dort ist sie bereits ein Jahr älter. Viele erinnern sich sicher noch an den  Skandal um Giuseppe di Stefano der damals auf Wunsch Karajans gegen Gianni Raimondi getauscht wurde.

Die Zeffirelli-Aida, ich sah sie vor einem Jahr, hat sehr schöne Momente, aber schon auch viel Pharaonen- und Priestergetue, wie in einem Hollywood Film. Lange nicht die feine Arbeit, die man von Zeffirelli bei der Boheme kannte. Und diese Boheme sollte man nie verkaufen, nicht in Wien und nicht in Mailand.

 Szenisch war alles sehr gut geprobt, sicher auch musikalisch mit Klavier, aber dann kommt immer die Überraschung, wie sich der Dirigent des Abends nach den Klavierproben mit dem Orchester verhält. Dan Ettinger tat es mit viel Lautstärke und sehr verhetzten Tempi. Für Debütenten keine leichte Kost. Als Rodolfo stand Dmytro Popov erstmals auf der Bühne der Wiener Staatsoper und war hörbar nervös. Leider so nervös, dass er den ersten Akt doch ziemlich in den Sand setzte, sich aber im dritten Bild fing, und das große Duett mit Marcello gelang schon besser. Die Stimme hat ein schönes Timbre, allerdings wenig Schmelz. Warten wir einfach die weiteren Vorstellungen ab. Auch erstmals als Marcello in der Mansarde (nach einigen guten Schaunards) war Alessio Arduini.  Und machte es sehr gut, auch natürlich mit dem Vorteil, das Haus bereits zu kennen. Colline war Jongmin Park mit schönem Bass, mehr Gefühl bei der „Vecchia zimarra“ und alles wäre bestens. Adam Plachetka ist ein Schaunard der Sonderklasse. Dieses Viererteam war darstellerisch sehr gut unterwegs.

Krassimira Stoyanowa ist als Mimi immer eine Superbesetzung. Sie versteht Puccini mit jedem Atemzug umzusetzen, hat eine einzigartig gute Pianokultur und ihr Vortrag so wie die darstellerische Gestaltung geht einfach unter die Haut. Musetta, die eigentlich Susanna heißt, das leichte Vogerl mit einem ganz weichen  Kern, ist bei Valentina Narfonita in den besten Händen.        

Alfred Sramek in der Doppelrolle Benoit/Alindor bot wieder beste Komik. Wolfram Igor Derntl sang lautstark und gut den Parpignol, Dominik Rieger, Johannes Gisser und Daniel Lökös konnte man als Sergeant, Zollwächter und Obstverkäufer hören.

Wie schon erwähnt, viel zu laut, zu verhetzt und zu derb das Dirigat, so hatte diese Oper heute keine Poesie und geht am Stoff und der Musik vorbei.

Gut studiert von Thomas Lang wie immer der Chor. Sehr schön und klar sang das Kind der Opernschule das Solo bei Parpignol, und bekam trotzdem kein Spielzeug.

Elena Habermann

 

Diese Seite drucken