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WIEN / Staatsoper (Kinderoper): DIE ARABISCHE PRINZESSIN

26.05.2018 | KRITIKEN, Oper

 
Fotos: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

WIEN / Staatsoper in der Kinderoper | Agrana Studiobühne | Walfischgasse
DIE ARABISCHE PRINZESSIN
oder Das wiedergeschenkte Leben
Märchenoper in zwei Akten
Pasticcio zu Musik von Juan Crisóstomo de Arriaga
Premiere: 26. Mai 2018

Wer hat hierzulande je von Juan Crisóstomo de Arriaga gehört? Nun, wenn man mit knapp 20 Jahren stirbt… da mag man ein noch so vielversprechendes Talent gewesen sein. Wenn man Mozart nennt, dann doppelt, denn auf den Tag genau 50 Jahre nach Wolfgang Amadeus Mozart (der damals schon tot war…) ist Juan Crisóstomo de Arriaga am 27. Januar 1806 in Rigoitia (Bilbao) geboren worden und starb in Paris an Schwindsucht, zehn Tage vor seinem 20. Geburtstag, am 17. Januar 1826. Der junge Baske galt als „Wunderkind“ wie einst Mozart, und sein außerordentliches Talent, diese schwungvolle Mischung aus Wiener Klassik und italienischer Buffa, ist hörbar, wenn die Staatsoper nun in der Studiobühne die Kinderoper „Die arabische Prinzessin“ zur Aufführung bringt.

Das ist allerdings kein originales Arriaga-Werk, sondern ein Pasticcio, das von Anna-Sophie Brüning aus verschiedensten Kompositionen zusammen gestellt und von Paula Fünfeck „nach einem arabischen Märchen“ erzählt wurde. Dass es nicht originale „1001 Nacht“ ist, sondern sehr heutig, entnimmt man aus der Führung des Librettos mit gegenwärtiger Rahmenhandlung und einer Geschichte (in der auch „drei Damen“ á la Zauberflöte eingefügt sind…), die sich nicht mit der üblichen Liebe-und-Happy-End-Story begnügt.

Mag sich die Prinzessin Amirah auch in den hübschen, flotten Fischerjungen Jamil verlieben, ihn erziehen und dann heiraten und damit einen Prinzen aus ihm machen – so einfach sehen wir das doch nicht, wir wissen offenbar mehr über soziale Schranken und Vorurteil als die Märchenerzähler anno dazumal. Da ist der junge Mann (auch Männer dürfen heutzutage emanzipiert sein) doch sehr empfindlich, wenn die Gattin ihn auf seine unstandesgemäße Vergangenheit anspricht (und sei es nur im Scherz), und da muss sich die Handlung noch in einem mystischen Land des „Vergessens“ dramatisch verdichten, damit sich auch die Rahmenhandlung (mit der alten Safra und dem aus der Fremde kommenden Geschichtenerzähler) glücklich löst.

Man hört wirklich schöne Musik, bei der Mozart dem Komponisten wohlwollend über die Schulter geschaut hat, auch in der Behandlung des Orchesters und der solistisch eingesetzten Instrumente, während die Trommelwirbel wie eine zeitgemäße Draufgabe wirken. Dazu die hübsche Geschichte, von Niv Hoffman mit geringen szenischen Mitteln (Bühne: Christina Feik) praktisch und mit einigem Kostümzauber (Kostüme: Vera Richter) flott auf die Bühne gebracht, wobei alle Mitwirkenden den Eindruck erwecken, sie täten nichts lieber als auf der Bühne stehen: Das ergibt  eine moderne Kinderopern-Stunde von seltener Frische und unglaublichem Charme.

Das Wesentliche dieser Produktion, auf die Staatsoperdirektor Dominique Meyer so stolz ist, weil er sie sich gewünscht hat, ist die Zusammenarbeit der hauseigenen Opernschule mit den Kindern von Superar. Dabei handelt es sich – der Direktor vergleicht es mit den Bemühungen von Gustavo Dudamel in Südamerika – um eine Institution, die begabten Kindern, deren Familien sich die Lehrer nicht leisten könnten, kostenlosen Musikunterricht ermöglicht. Als sich am Ende auch das „Orchester“ zeigte, das unter der Leitung von Johannes Mertl so fabelhaft musiziert hatte, sah man, dass es neben dem Bühnenorchester der Staatsoper auch Jugendliche waren, die sich da so sicher mit ihren Instrumenten bewegt hatten…

Die Oper bildet wahrlich ihren Nachwuchs aus, wenn man die Sicherheit bedenkt, mit der Jakob Weingartner als erst vollmundiger, dann kurzfristig schweigsamer Jamil und Setareh Eskandari als seine ideale Orient-Prinzessin auf der Bühne standen – finden sich jetzt noch kompetente Lehrer, die ihre Stimmen „öffnen“, dann steht einer professionellen Sängerzukunft nichts im Wege. Ganz reizend war Laura Polzhofer (mit weißer Perücke!) als alte Geschichtenerzählerin, und man gönnte ihr das Happyend mit dem „Fremden“, den sie einst gut gekannt hat (Raphael Reiter). Jan Winkler als flotter Ali ließ sich die Geschichte nicht einfach erzählen, sondern fragte immer wieder nach, wie es altkluge Kinder zu tun pflegen… Rundum ein Multikulti-Riesenensemble, in dem sich die Kinder der beiden Institutionen (Opernschule und Superar) perfekt in einander fügten.

Es war ein herzerquickender, herzerwärmender, wunderschöner Vormittag, und da man auch den Zuschauer-Nachwuchs erziehen muss: Liebe Eltern, liebe Großeltern, nichts wie rein mit Euren Kindern und Enkeln … Ihr werdet auch Eure Freude an dem Gebotenen haben.

Renate Wagner

 

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