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WIEN / Staatsoper im Studio Walfischgasse: PÜNKTCHEN UND ANTON

19.03.2016 | KRITIKEN, Oper

PuenktchenUndAnton_Szene
Fotos: Wiener Staatsoper / Pöhn

WIEN / Staatsoper / Studio Walfischgasse:
PÜNKTCHEN UND ANTON von
Iván Eröd
Wiederaufnahme: 19. März 2016

Man erinnert sich noch an das mediale Blätterrauschen angesichts von „Pünktchen und Anton“ am 8. Mai 2010, damals noch im Kinderzelt auf dem Dach der Wiener Staatsoper. Der Wirbel galt nicht der Tatsache, dass eine Auftragsoper eines österreichischen Komponisten (Iván Eröd, der Vater unseres Adrian) uraufgeführt wurde. Vielmehr stieg der damalige Direktor Ioan Holender selbst auf die Bühne, um Pünktchens Vater, Herrn Pogge, zu spielen und nach Maßgabe seiner Möglichkeiten auch zu singen. Ja, das waren noch Zeiten, als Persönlichkeiten um sich solchen Wirbel machten. Da sind wir solider geworden.

Angesichts der Wiederaufnahme des Werks aus der Distanz von knapp sechs Jahren (die Direktion hat gewechselt, der neue Direktor strebt nicht auf die Bühne), stellt man fest, dass das Studio in der Walfischgasse für das Genre der Kinderoper ein Geniestreich war. Was sich im Zelt kunterbunt drängeln musste, hat hier eine echte Bühne, wenngleich das Prinzip szenisch „einfacher“ Produktionen absolut erhalten bleiben sollte. Die durchaus reale Ausstattung von Walter Schütze und die Regie von Matthias von Stegmann funktionieren wieder – eine einfache Geschichte, einfach und lustig erzählt.

Iván Eröd hat singbare Rollen geschrieben, ist aber nicht rein Dur-tonal verblieben, da klingt schon ein bisschen Chromatik durch, die die Kinder an Künftiges gewöhnt – jedenfalls, dass Oper kein Schlager-Gedudel oder kein Pop-Gegröle ist. Bei der Premiere waren viele auch sehr kleine Kinder da, und es herrschte keinerlei Unruhe im Publikum, alle waren offenbar vom Geschehen gepackt.

Als Pünktchen erhielt Maria Nazarova eine verdiente Chance. Mit einem roten Struwwelpeter-Lockenkopf sah sie aus wie eine Mischung aus Pumuckl und Pippi Langstrumpf, war für eine Russin fabelhaft wortdeutlich (außer dort, wo das Orchester – obzwar hinter den Zuschauern postiert – zu laut wurde), und vor allem ist sie eine überraschend souveräne, spitzbübische Darstellerin, die voll verstand, was sie sang und tat und auch kleine, ironische Nuancen setzen konnte. Pünktchen als komödiantischer Hudriwudri, ein Vergnügen, auch angesichts der durchschlagskräftigen, hell-schlanken Stimme.

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Nach dem Hänsel kam nun auch der Anton auf Margaret Plummer zu, die zwar ein bisschen ungeschlacht wirkt, aber das nie besser einsetzen kann als in der Darstellung von Buben. Sie hat, zu ihrem guten Mezzo, eine Art spontane Herzlichkeit, die das Publikum umweglos erreicht.

Hans Peter Kammerer als Herr Pogge, Pünktchens Vater, setzte – wenn man sich recht erinnert – weit weniger ausschweifende Pointen als einst der Herr Direktor, dem man nichts verbieten konnte. Auch ohne solche Selbstverliebtheit hat dieser Papa, vor allem am Anfang, wirkungsvolle Szenen. Und Ildikó Raimondi war schon damals die Mama, eine Zicke, aber eine bemerkenswert gut aussehende.

Bei allem Radebrechen der deutschen Sprache (das Stück ist nicht durchkomponiert, sondern hat längere Sprechpassagen) war Carole Wilson als Köchin „Dicke Berta“ ergötzlich und gewann alle Herzen, als sie dem grimmigen Räuber Robert der Teufel in Gestalt des „gefährlich“ dreinblickenden Pavel Kolgatin mit dem Nudelwalker eine überzog.

Was Wolfgang Bankl als Gottfried Klepperbein üppig war, war Ulrike Helzel als Frau Gast, Antons Mutter, klapperdürr, und Simina Ivan verkörperte wie in der Premiere das unzuverlässige Fräulein Andacht, das sich mehr für ihren halbseidenen Geliebten als für ihren Schützling Pünktchen interessiert.

David Niemann stand im Hintergrund am Dirigentenpult, manchmal ließ er es zu laut werden, im Ganzen hielt er die 70 Minuten vom Anfang (Pünktchens „Bettel“-Szene) bis zum Finale mit allen Beteiligten kräftig und problemlos zusammen.

Geklatscht wurde heftig, viele Vorstellungen sind schon ausverkauft, aber da die Staatsoper für jede Rolle im Durchschnitt vier Besetzungen hat, kann man das Stück ja bei Bedarf so oft spielen, wie es nur möglich ist.

Renate Wagner

 

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