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WIEN/Staatsoper IL BARBIERE DI SIVIGLIA von Gioachino Rossini

18.05.2019 | KRITIKEN, Oper

Maria Gritskova Foto: M.Pöhn

WIEN / Staatsoper: IL BABIERE DI SIVIGLIA  von Gioachino Rossini    429. Vorstellung in der Inszenierung von Günther Rennert              Samstag, 18. Mai 2019

 
Eine ausgelassene Feierstunde für und mit Juan Diego Flórez

Das Solistenkonzert, das er vor wenigen Wochen an der Wiener Staatsoper gab, wurde von Leo Nucci mit jener Arie eröffnet, mit der er vor vierzig Jahren zum ersten Mal auf dieser Bühne gestanden war: Mit „Largo al factotum della città“ aus Rossinis Il Barbiere di Siviglia. Dazu gehört eine gehörige Portion Mut, vor allem aber ein sehr treues und sehr dankbares Publikum, das sich beim Anhören nicht zuletzt auch an die vielen schönen Aufführungen erinnert, in denen der Sänger mitgewirkt und damit seine Zuhörerschaft und beglückt hat.

Der Tenor Juan Diego Flórez feiert nun – in der Partie des Conte d´Almaviva – ebenfalls sein Auftrittsjubiläum an der Staatsoper: Sein Debüt hat, wie er auf Facebook wissen lässt, vor zwanzig Jahren stattgefunden, und zwar in eben dieser Barbiere-Inszenierung, in der zwei Jahrzehnte früher auch schon Nucci in Wien debütiert hatte. Im Unterschied zu seinem großen italienischen Kollegen in der ausklingenden Spätphase seiner Karriere steht Juan Diego Flórez aber mitten in seinen besten Jahren. Inzwischen hat er zwar einige seiner italienischen Glanzpartien zurückgelegt und sich neuen Herausforderungen zugewendet, so hat er etwa – im Februar- den Edgardo in Luicia di Lammermoor gegeben und wird im Juni, ebenfalls an der Staatsoper, erstmals den Des Grieux in Manon singen, aber das Belcantofach liegt ihm weiterhin sehr am Herzen. Stimmlich präsentiert sich der Mitvierziger jedenfalls in bestechender Form. Die Koloraturen und Spitzentöne gelingen mühelos, als wären sie die einfachste Sache auf der Welt. Dazu kommt ein sehr spielfreudiger Einsatz und eine sympathische Ausstrahlung, mit der er – immer schon – zusätzlich punkten kann. Der Applaus im Anschluss an seine letzte Überraschungs-Arie fällt für den Wiener Publikumsliebling so stark aus, dass eine Wiederholung durchaus im Bereich der Möglichkeit gestanden wäre.

In Spitzenverfassung präsentiert sich an diesem Abend auch Margarita Gritskova als kokette Rosina. In dieser Partie hat sie bereits bei ihrem Staatsoperndebüt 2013 auf ihren herrlichen, mit warmem Timbre ausgestatteten, facettenreichen Mezzosopran aufmerksam gemacht. Im Oktober des Vorjahres wusste sie als Rosina im Haus am Ring erneut zu begeistern und unterstreicht nun abermals, was für ein Gewinn sie – eine echte „Entdeckung“ von Staatsoperndirektor Meyer – für das Haus ist. In ihrer neckisch vorgetragenen Arie „Una voce poco fa“ reflektiert eine junge Frau über ihre Erwartungen an die Liebe und das Leben.

Mit Spannung erwartete man das Rollendebüt des Ensemblemitglieds Rafael Fingerlos. Sein Figaro ist ein darstellerisch quicklebendiger Strippenzieher, bleibt stimmlich aber – besonders im Vergleich zu Adrian Eröd im Vorjahr – etwas blass. Ein Anfang ist gemacht, wir wollen sehen, wie es weitergeht.

Paolo Rumetz kann als Doktor Bartolo seine erzkomödiantische Begabung gekonnt ausspielen und geht mit spürbarer Lust ans Werk. Als Musiklehrer und Hofintrigant dreht Sorin Coliban den Lautstärkenregler seines Basses auf Maximalleistung. Differenziertheit des Ausdrucks bleibt so notgedrungen auf der Strecke. Sehr fein nützt dafür Lydia Rathkolb ihre Auftrittsarie „Il vecchiotto cerca moglie“ dazu, ihrer Figur, der Dienerin Berta, ein eigenständiges Profil zu verleihen.

Das Staatsopernorchester unter der Leitung von Evelino Pido liefert eine gute Leistung ohne Höhepunkte ab. Sonderlob verdient Luisella Germano, die am Hammerklavier einfühlsam und variantenreich die Rezitative untermalt.

Manfred A. Schmid

 

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