Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Staatsoper: IDOMENEO

16.10.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER STAATSOPER: 16. 10. 2014 „IDOMENEO“

Idomeneo_04  Reiss-Gritskova x~1
Chen Reiss, Margarita Gritskova. Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

 Als erstes sei der Chor unter der Leitung von Thomas Lang erwähnt, der nicht nur hervorragend sang und ähnlich wie im Nabucco einen großen Stellenwert in der Handlung hat. Die bestens studierte Körperschaft ist musikalisch prächtig aufgestellt, was vielleicht szenisch nicht immer sehr wirksam ist, aber es dient dem Werk. Sehr gut gelungen sind die beiden großen Soli der Kreterinnen von den Damen Younghee Ko und Barbara Reiter. Dritan Luca und Ion Tibrea gaben den beiden Trojanern schöne Stimmen. Die beiden Kreter sangen Oleg Zalytsky und Konrad Huber. Schöne Solostimmen findet man in diesem Chor!

Als Idamante schoss Margerita Gritskova voll zurecht den Vogel ab. Es ist eine Freude, so eine schöne, weiche, stilistisch immer angepasste Mezzostimme zu hören. Auch darstellerisch kann die Künstlerin voll überzeugen. Aber auch Chen Reiss kann die Ilia voll umsetzen. Fürs erste – Hut ab vor der Leistung – eine Arie hoch über der Bühne schwebend, Arme nach hinten gebunden zu beginnen. Aber auch die weiteren Arien ohne Zirkuseinlagen sind wunderschön gesungen, die Piani schweben und sie hat auch den Zugang zu Mozarts Musik gefunden. Ihre Gegenspielerin, die leicht hysterische Elettra, sang Maria Bengtsson mit seltsam belegter Stimme, es klang immer nach nicht ausgeheilter Bronchitis und sehr scharfen Höhen. Darstellerisch war die Dame für ihren Zustand (ca. 7. Monat gravid) enorm beweglich. Als Arbace hörten man die schöne Stimme von Pavel Kolgatin, dem man  beide Arien strich und somit die eigentlich große Rolle zum Stichwortbringer degradierte, pure Verschwendung für diese Stimme. Auch Carlos Osuna ließ in der kurzen Szene des Oberpriesters einen sehr schönen Tenor hören. Die Stimme (Orakel oder Nettuno) kam gewaltig von Sorin Coliban.

Für Michael Schade kam diese Premiere einige Jahre zu spät – im Theater an der Wien hörte ich einen wunderbaren Idomeneo von ihm ( unter Peter Schneider) Die Stimme von heute klingt leider matt und müde, und man merkt die große Anstrengung.

Die Regie von Kasper Holten ist kein „Aufreger“, aber sicher Repertoire tauglich und verständlich. Eine Augenweide das Bühnenbild von Mia Stensgaard und wunderschön und zum Teil auch sehr phantasievoll die Kostüme von Anja Vang Kragh. Alles zusammen mit den Lichteffekten von Jesper Kongshaug ergibt eine herrliche Ästhetik.

Dennoch war der Abend teilweise lähmend, das kam leider vom Pult und somit auch aus dem Orchestergraben. Christoph Eschenbach dirigierte sicher genau das,  was in der Partitur steht – aber mit einer Fadesse, die sich auch aufs Publikum schlägt. 

So war der Applaus von kürzester Dauer.    

Elena Habermann

 

Diese Seite drucken